Schwerpunkte

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©Uta Neumann

Ein thematischer Leitfaden durch die vielseitige Fülle der Festivalveranstaltungen

Der Monat der zeitgenössischen Musik ist ein gemeinschaftliches Projekt: Es sind die Ensembles, Festivals und Künstler*innen, die das Programm des Dachfestivals mit eigenen Veranstaltungen gestalten. Dies hat zur Folge, dass es eine Vielfalt an Themen und Formen des Musizierens und Komponierens gibt, die sich als rote Fäden durch das Programm ziehen:

Musik und (Bewegt-)Bild

Bei manchem Kinoerlebnis bemerkt man kaum die Musik, weil sie sich ganz in den Dienst der erzählten Handlung stellt. Filmmusik kann aber auch für Irritationen sorgen, Erwartungen brechen und Aufmerksamkeit verschieben. Man darf gespannt sein, wie sich die Filme von Barbara Hammer, Peggy Ahwesh und Valie Export verändern, wenn sie am 10.10. in der Reihe Sentimental Punk auf die live improvisierten Soundtracks von Baphomet Vernacular und Okkyung Lee treffen. In der Kammeroper »BEFLAGGT« (17.10.) erforschen das Ensemble Fincan und der Maler und Pianist Thorsten Labig zusammen Queerness und Diversität. Das Duo Amoeba interessiert sich für die Schnittstelle von Klang und Bild – und hebt am 20.10. vielleicht die Teilung zwischen Hören und Sehen auf. Und in der Reihe Cluster folgt am 30.10. wie immer ein Filmscreening auf ein Konzert – diesmal von der Hongkonger Schlagzeugerin Sabrina Ma.

Zeit als Linie, Kreis oder Spirale

Man kann sich Zeit linear vorstellen, als eine Einwegstraße, die von der Vergangenheit in die Zukunft führt. Es gibt jedoch auch zyklische Zeitauffassungen, in denen Zeit durch rhythmische Wiederholungen wahrgenommen wird – erkennbar zum Beispiel in den Jahreszeiten. Beide Konzepte eröffnen für Komponist*innen ein spannendes Feld. Um die Idee der spiralförmigen Zeit geht es bei der DYSTOPIA Sound Art Biennale. An mehreren Oktoberabenden werden Konzerte von Marcela Lucatelli, Charly Nijensohn, Vica Pacheco und Kirstin Burckhardt präsentiert. Die Ausdauer für das »long-durational«-Werk »Chrysá Míla« von Leonie Roessler kann man am 23.10. mit der sportlichen griechischen Heldin Atalanta trainieren. Für die zyklische Erzählweise hat sich wiederum das Ensemble LUX:NM entschieden, dessen Konzertabend »Asteria – echo // fragment // licht« am 25.10. die Lyrik der antiken Dichterin Sappho zum Klingen bringt. Beide Konzerte finden im Rahmen des Atalanta Komponistinnen Festival statt.

Solidarität

An Herausforderungen mangelt es für die freie Szene in diesen Tagen wirklich nicht. Dass kulturpolitisches Engagement und künstlerische Praxis Hand in Hand gehen können, zeigt sich auch in diesem Monat der zeitgenössischen Musik. Mehr zu erreichen, indem sich Einzelne zusammentun, darum geht es unter anderem beim ersten Berliner Ensemble-Festival vom 02.–04.10. (mehr zum Festival auf S.XX). Am gleichen Wochenende findet im Morphine Raum die neue Konzert- und Workshopreihe Disquiet statt, die Solidarität und Mut fördern möchte und nach dem ästhetischen und politischen Potenzial von Klang in translokalen und diasporischen Kontexten sucht. Workshops geben der kurdische Klangkünstler Hardi Kurda (03.10.) und die rumänische Performancekünstlerin Siegmar Zacharias (04.10.). Am 10.10. gibt es mit ELECTROBODIES einen Tag voller Workshops, Konzerte und Panel Talks rund um die Schnittstelle von Klang, Technologie und Feminismus und die Stärkung unterrepräsentierter Stimmen in der elektronischen Musik. FLINTA-Positionen stehen auch im Fokus von miniLab 18 am 07.10. Hier begegnen sich fünf Künstlerinnen solo, duo und im Quintett.

Kleine und große Veränderungen

Musik macht Lust auf Veränderung. Ohne sie wäre nicht nur das Kursangebot im Fitnessstudio unvorstellbar, auch bei Protestbewegungen sorgt sie regelmäßig für die nötige Motivation. Musik kann aber auch das Bewusstsein für Veränderungen schärfen, wenn man zum Beispiel mikrotonale Verschiebungen in Drone-Musik verfolgt. Bei der dreistündigen Klangperformance »Mirror Body: Sounding the Situation« von Dolanbay und Elo Masing am 09.10. darf man zwischendurch aber auch mal rausgehen. Mikrotonalität wird in der Ausstellung Mikrotonal Echo als Metapher für gesellschaftliche Zwischentöne verstanden. Bei der Finissage am 11.10 treten Janine Eisenächer, Daniela Fromberg, Harriet Groß und Steffi Weismann durch Klanginterventionen in Kommunikation mit ihrer Umgebung. Die Komponistin Iris ter Schiphorst wiederum hat schon als Kind Musik eingesetzt, um Gefühle der Ohnmacht in etwas Bewegliches zu verändern. Das Zafraan Ensemble widmet ihr mit EDEN CINEMA (18.10.) ein ganzes Festival. Vom Wunsch nach Veränderung und nach Handeln erzählt auch das Stück »Sky Islands« der Komponistin und Schlagzeugerin Susie Ibarra, präsentiert am 28.10. im Pierre Boulez Saal. Das mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Werk ist nach gefährdeten Ökosystemen in den Regenwäldern der Philippinen benannt – deren Echo klingt im Stück durch Gong- und Bambusinstrumente nach.

Herkunft und Zukunft

Ein Blick in die Vergangenheit weist nicht unbedingt nur nach hinten. Im Alten und Vergessenen stecken zahllose Gelegenheiten, sich andere Möglichkeiten und Ausgänge des Jetzt vorzustellen. Musikalisch führt das zu ungehörten Klängen und unerzählten Geschichten, so wie beim Konzertabend Kunstlieder aus Lateinamerika am 08.10. Hier wird unter der Leitung des Komponisten Rafael Marino Arcaro ein Jahrhundert lateinamerikanischer Musik hörbar – und das ausschließlich mit Uraufführungen. Kirstin Burckhardt erzählt am 10.10. eine Geschichte, die sowohl die Restauration einer Harfe als auch die nationalsozialistische Vergangenheit ihrer eigener Familie umfasst. Auch Jobina Tinneman tritt am 25.10. bei »Fermi Paradox« mit Hilfe der Harfe eine Reise durch Raum und Zeit an, die sie zu Außerirdischen, Monstern und Amazon(en) führt. Komponistin Rachel C. Walker versetzt uns am 24.10. ins Jahr 2087, wo eine Klangarchäologin Signale aus der Vergangenheit und der Zukunft empfängt, während das Ensemble FrauVonDa am letzten Tag des Atalanta Komponistinnen Festivals nach Herkunft in der musikalischen Fremde sucht.

Instrumente im Fokus

2026 ist das Jahr des Akkordeons. Das Akkordeonduo con:trust feiert das am 13.10. mit einem Programm von Pauline Oliveros bis hin zu ganz neuen Werken aus 2026, während das Themenjahr dem Ensemble Duo a Due am 27.10. Anlass gibt, sich eingehend mit der Beziehung zwischen Akkordeon und Violoncello auseinanderzusetzen. Doch auch andere Instrumentalist*innen sehen die Möglichkeiten ihres Instruments noch lange nicht erschöpft: Dorrit Bauerecker und Christoph Stöber erweitern das Klavierduo-Konzert um neue Spielformen. Das Kölner Klavierduo spielt sein Programm N E T Z – Vierhändige Musik mit und ohne Klavier am 4.10. Sarah Davachi präsentiert am 22.10. neue Werke für Solo-Orgel und Ensemble. In der Konzertreihe »Crushed Now — After Turing // Beyond Presence« werden Instrumente von ihren traditionellen Konventionen befreit und als Klanggeneratoren unterschiedlichster Form begriffen. Wie dabei Klang, Körper und Technologie neue Mischformen eingehen, erforschen Musiker*innen, DJs und Videokünstler am 18.10.

  • MdzM2026

Zum Weiterlesen

LBL Jann Wilken

Eröffnung des Monats der zeitgenössischen Musik

Das 10. Jubiläum des Monats der zeitgenössischen Musik wird im Rahmen der Erstausgabe des ENSEMBLEFEST Berlin 2026 mit einem dreitägigen Programm aus Konzerten und Performances gefeiert.

Silent Green Gebäude

Veranstaltungsorte

Hier findet ihr die Veranstaltungsorte des Monats der zeitgenössischen Musik.

Gastprogramm

Gastprogramm des Monats der zeitgenössischen Musik

Vom 2. bis zum 5. Oktober 2026 sind Musiker*innen, Komponist*innen, Ensembles und Kurator*innen dazu eingeladen, im Rahmen Gastprogramms die Berliner Szene kennenzulernen und sich mit ihren Akteur*innen zu vernetzen. 

Grafik MdzM

10 Jahre Monat der zeitgenössischen Musik

Der Monat der zeitgenössischen Musik findet 2026 bereits zum zehnten Mal statt. Vom 2. bis 31. Oktober präsentiert das Programm unterschiedlichste Strömungen und Ausdrucksformen der zeitgenössischen Musik in Berlin.