Sound Studies vor dem Aus

Ein Interview mit Georg F. Klein zur Abwicklung des Masterstudiengangs Sound Studies und Sonic Arts an der Universität der Künste Berlin

28. Januar 2026 | Lisa Benjes

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©KathrinScheidt

Die Entscheidung der UdK Berlin, den Masterstudiengang Sound Studies and Sonic Arts zu schließen, sorgt aktuell weit über die Universität hinaus für Irritation und Protest – und wirft grundlegende Fragen zur Zukunft künstlerischer Forschung und kulturpolitischer Prioritätensetzung auf. Studierende, Lehrende und Absolvent*innen kritisieren, dass die Entscheidung ohne transparente Evaluation, ohne Konsultation der Beteiligten und ohne erkennbare fachliche Begründung getroffen wurde. Die Liste der Unterstützer*innen eines  Offenen Briefs liest sich wie das Who-is-Who der internationalen Klangkunstszene.

Der Studiengang gilt international als einzigartig und ist eng mit Berlins Geschichte und Gegenwart als Zentrum der Klangkunst und experimentellen elektronischen Musik verbunden. Mit der Schließung endet ein Programm, das seit 20 Jahren als Ort künstlerischer Forschung, kritischer Theorie und internationaler Vernetzung wirkt und dessen zahlreiche Absolvent*innen – darunter heutige Größen der elektronischen Klangkunst wie Jessica Ekomane, Lottie Sebes und Joseph Kamaru (aka KMRU), die Klangperformerin Jasmine Guffond oder der Komponist Eldar Tagi – die Klangkunstszene in Berlin maßgeblich prägen. Darüber hinaus sind aus dem Umfeld des Studiengangs wichtige Initiativen wie Cashmere Radio hervorgegangen.

Im Interview spricht unsere Redakteurin Lisa Benjes mit dem Studienleiter Prof. Georg F. Klein über die Hintergründe der Schließung, die Konsequenzen für die UdK, den Kulturstandort Berlin und über mögliche Wege, wie der Studiengang dennoch eine Zukunft haben könnte.

Wann und auf welchem Weg hast du von der geplanten Abwicklung des Masterstudiengangs erfahren?

Offiziell erfahren haben wir es am 13. Januar in einer Mitarbeiter*innenversammlung des Zentralinstituts für Weiterbildung und Transfer, des ZIWT, zu dem auch wir gehören. In dieser Versammlung haben Präsident Markus Hilgert und die Kanzlerin Ulrike Prechtl-Fröhlich uns praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt. Uns wurde mitgeteilt, dass es mit dem ZIWT in dieser Form nicht weitergehen könne. Als Begründung wurden rechtliche Gründe im Zusammenhang mit dem reformierten Hochschulgesetz genannt. Zudem müsse eine neue Grundordnung der UdK erarbeitet werden, in der dieses unabhängige Institut nicht mehr vorgesehen sei und daher aufgelöst werden solle.

Hat sich diese Entscheidung aus deiner Sicht in den vergangenen Jahren angebahnt oder kam sie überraschend?

Sagen wir so: In der Drastik war es eine Überraschung. Dass es nicht gut aussieht mit dem ZIWT, haben wir in den vergangenen Monaten schon geahnt. Dafür gab es mehrere Anzeichen. Der Leiter des Zentralinstituts, Geschäftsführer und Direktor Thomas Schildhauer, geht in Rente, ebenso die Studiengangsleiterin der Musiktherapie Susanne Bauer. Seit über einem Jahr haben wir keine zentrale Verwaltungsleitung mehr, und meine eigene Stelle ist ohnehin keine feste, sondern immer nur interimistisch besetzt. Rein rechtlich ist das im Moment also eine sehr günstige Konstellation, um das Ganze abzuwickeln. Es gibt kaum Altlasten, weil praktisch alle Stellen auslaufen beziehungsweise wegfallen können. Das hat uns schon seit Längerem große Sorgen gemacht. Ein weiterer Hintergrund ist, dass die Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra seit zwei Jahren jede Neuberufung am ZIWT blockiert. Ich selbst versuche seit drei Jahren, meine Stelle in eine reguläre Professur zu überführen, was auch eine langfristige Absicherung für den Studiengang bedeutet hätte. Die Ausschreibung war vollständig vorbereitet und abgestimmt, wurde aber von der Senatorin nicht freigegeben.

Insofern hat sich die Situation bei uns schon seit zwei Jahren abgezeichnet. Ich bin allerdings lange davon ausgegangen, dass wir, selbst wenn es mit dem ZIWT nicht weitergeht, einen anderen Platz innerhalb der Universität finden würden. Dass das Institut jetzt ganz aufgelöst werden soll, ist der eigentliche Schock.

Das klingt, als wäre alles von langer Hand vorbereitet gewesen …

Ein entscheidender Moment war aus unserer Sicht die Neuwahl des Präsidenten. Sein Vorgänger hatte sich noch klar dagegengestellt und konkrete Pläne mit uns, insbesondere mit den Sound Studies. Es gab sehr detaillierte Umzugspläne, inklusive ausgearbeiteter Konzepte mit Architekten, um endlich angemessene Räumlichkeiten zu bekommen und nicht weiter in umgewandelten Büroräumen zu arbeiten. Mit dem Wechsel im vergangenen April hin zum neuen Präsidenten hat sich diese Haltung dann offenbar verändert, und in den letzten zwei Monaten muss sich die Situation für uns deutlich zum Schlechteren gedreht haben.

Fünf Personen bei der Eröffnung der Master-Ausstellung der Sound Studies 2025, in der Mitte der UdK-Präsident
Eröffnung der Master-Ausstellung der Sound Studies and Sonic Arts mit UdK-Präsident Markus Hilgert (Mitte) und Studiengangsleitung Georg Klein (rechts) im Juni 2025

Weltweit schüttelt man den Kopf über diese Entscheidung. Die Abwicklung geht mit der Verarmung der Berliner Kulturlandschaft durch die massiven Kürzungen einher. Sind sich die Hochschulleitung und die Wissenschaftssenatorin über die Bedeutung des Studiengangs international bewusst? 

Bei der Wissenschaftssenatorin bin ich mir nicht sicher, ob ihr bewusst ist, welche Folgen die Schließung beziehungsweise Auflösung des ZIWT konkret hat. Der neue Präsident wiederum sagt selbst, dass er diese Entwicklung für überaus bedauerlich und schmerzhaft hält. Er betont auch immer wieder, dass er unsere Arbeit sehr schätze. Gleichzeitig macht er deutlich, dass es aus seiner Sicht keine Alternative gäbe. Er verweist dabei stets auf rechtliche Gründe und darauf, dass man das Ganze deshalb anders organisieren müsse. Und nach seinen Aussagen habe er mit allen Fakultäten gesprochen, insbesondere mit der Musikfakultät, um zu prüfen, ob wir dort unterkommen könnten. Diese Integration sei jedoch aus Spargründen jeweils abgelehnt worden.

Für Außenstehende wirkt die Begründung mit dem neuen Hochschulgesetz und den rechtlichen Rahmenbedingungen eher vorgeschoben. Zumal offenbar keine Gespräche über Alternativen mit den Betroffenen selbst geführt wurden. Warum wurdet ihr nicht früher einbezogen?

Ich habe mehrfach versucht, mit dem Präsidenten ein Gespräch über die Zukunft der Sound Studies zu führen. Direkt nach der Masterausstellung schien mir der ideale Zeitpunkt zu sein: Er war vor Ort, hat sich zwei Stunden Zeit genommen, alles angeschaut und angehört – das war kein Pro-forma-Besuch. Trotzdem wurde ich immer wieder vertröstet mit dem Hinweis, man müsse zunächst die laufenden Budgetverhandlungen mit dem Senat und anschließend mit den Fakultäten abwarten.

Im November habe ich dann noch einmal sehr deutlich nachgehakt, unter anderem mit konkreten Kooperationsschreiben von Unternehmen und einem Fraunhofer-Institut. Auch aus wissenschaftlicher Perspektive habe ich klar gemacht: Wir müssen jetzt wissen, wie es weitergeht. Es gibt reale Partner, und die Menschen warten auf eine Entscheidung.

Schließlich wurde mir gesagt, es würde ein internes Treffen am 6. Januar mit allen Studiengangsleiter*innen geben. Dort wurde mir dann zum ersten Mal offiziell mitgeteilt: »Es ist Schluss.«

Budgetgründe wurden in der offiziellen Begründung aber gar nicht mehr aufgeführt. Stattdessen wird die Anpassung an das geänderte Berliner Hochschulgesetz genannt. Wie betrifft dieses Gesetz den Studiengang konkret?

Bis heute hat uns niemand wirklich erklärt, zumindest nicht anhand des Gesetzestextes, warum er so nicht weiter möglich ist. Die Wissenschaftssenatorin vertritt die Ansicht, dass ein unabhängiges Weiterbildungsinstitut in dieser Form eigentlich nirgends existiert. Normalerweise gibt es das nicht mit eigens dafür bestellten Professor*innen. Ihrer Argumentation nach müssen Professor*innen, die Weiterbildung anbieten, aus den Fakultäten kommen. Weiterbildung soll im Kursformat angeboten werden, nicht als eigenständiger Studiengang oder eigenständige Einheit. Alles muss sozusagen innerhalb der Fakultäten verortet sein.

Das Problem ist auch, dass die Rechtsgrundlagen derzeit überhaupt noch im Entstehen sind. Das Hochschulrahmengesetz ist noch nicht abschließend geregelt, und die neue Grundordnung wird gerade erarbeitet. Sie setzen also faktisch vorweg durch, dass es ein unabhängiges Institut in dieser Form nicht mehr geben soll.

Lass uns auch über die fachliche und kulturelle Bedeutung des Studiengangs sprechen. Was unterscheidet Sound Studies and Sonic Arts von anderen musik- oder soundbezogenen Studiengängen?

Was uns wirklich besonders macht, ist zunächst die Breite unseres Lehrangebots. Wir haben im Jahr etwa 30 Lehrbeauftragte. Außerdem bieten wir eine dreijährige Teilzeit-Master-Ausbildung an, während viele andere Institute nur ein einjähriges Masterprogramm haben. Das gibt unseren Studierenden deutlich mehr Tiefe, Zeit und Raum, sich wirklich zu entwickeln.

Ein echter Unterschied ist auch der theoretische Anteil: Ein Drittel des Programms widmet sich »Sound Culture«, also dem, was Sound Studies eigentlich ausmacht – Cultural Studies im Klangbereich. Wir sprechen über philosophische, kultursoziologische und musikwissenschaftliche Ansätze. Für viele, die aus der Praxis kommen, ist das ein ganz neuer Blickwinkel, eine Art Theorie-Input, der den eigenen Praxisbezug massiv erweitert.

Dazu kommt der Austausch mit den Mitstudierenden – Praxis, Theorie und internationale Perspektiven verschränken sich hier auf einzigartige Weise. Und weil der Studiengang komplett auf Englisch läuft, ist er extrem international ausgerichtet. All das zusammen macht Sound Studies zu einem wirklich einzigartigen und innovativen Programm, das man so kaum irgendwo findet.

Klangkunst ist eine vergleichsweise junge Disziplin, die in klassischen musikwissenschaftlichen Curricula bis heute kaum Raum findet. Welche Lücke hat Sound Studies and Sonic Arts hier geschlossen?

Eine Ausbildung in den Sonic Arts lässt sich nur in diesem Zwischenbereich realisieren: Sie funktioniert weder innerhalb der klassischen Musikwissenschaft noch allein in der Komposition. Wir arbeiten genau dort, wo Musik, bildende Kunst und Medienkunst sich überschneiden – und genau das zeichnet uns aus. Es ist dieser Überschneidungsraum, in dem wir tätig sind, und in dem wir etwas ganz Eigenes schaffen.

Das betrifft nicht nur die Formen – Installation im Innen- und Außenraum, Performance, audiovisuelle Medien –, sondern auch die Inhalte und die Art der Auseinandersetzung mit Materialen, Objekten, Räumen, der sozialen Situation und politischen Aspekten. Nicht umsonst ist die künstlerische Forschung gerade in der Klangkunst derzeit stark am Expandieren. Unsere Theorieprofessorin Sabine Sanio hat zu Artistic Research zwei öffentliche Vorlesungsreihen veranstaltet – und unser Sound Studies Reader daraus steht kurz vor der Veröffentlichung.

Welche Bedeutung hat der Studiengang für Berlin als internationaler Standort für Klangkunst und experimentelle Musik?

Man muss sich die Szene der 90er-Jahre anschauen: die elektronische Musik, die gesamte Klangkunstszene – daraus ist vieles entstanden. Ich bin selber ein Kind davon. Man denke nur an die Inventionen (1982–2010), die Sonambiente-Festivals (1996, 2006, 2021), die Singuhr-Hörgalerie (seit 1996) und das CTM-Festival (seit 1999), oder neue Formate wie Heroines of Sound und die DYSTOPIA Sound Art Biennale. Das sind die Traditionen und Entwicklungen, die wir weiterführen und die Berlin zu dem zentralen Ort für alle Spielarten der Sound Art weltweit gemacht haben.

Berlin wird damit einen ganz wichtigen institutionellen Anker für diese Szene verlieren. Man braucht die Institutionen. Es reicht nicht, nur Clubs oder einzelne Projekträume wie die Errant Sound Galerie zu haben. Institutionen sorgen dafür, dass dieses Feld kontinuierlich bearbeitet wird und Angebote für die Szene geschaffen werden.

Ich durfte euch ein paar Mal besuchen und war jedes Mal begeistert vom hohen Niveau und Einsatz eurer Studierenden. Wie geht es ihnen mit der Entscheidung?

Wir haben eine Vollversammlung einberufen, um die Studierenden überhaupt erst einmal darüber zu informieren. Sie sind jetzt natürlich extrem aktiv, unterstützen unseren offenen Brief und die Petition und zeigen deutlich, wie entsetzt sie über die Situation sind.

Das Gute ist zunächst, dass sie selbst nicht unmittelbar betroffen sind: Rechtlich muss der Studiengang noch sieben Jahre weiterlaufen, sodass sie in Ruhe ihr Studium abschließen können. Ich glaube nicht, dass sie die volle Dauer von sieben Jahren brauchen werden, aber sie können sich sicher sein, dass sie ihr Studium regulär beenden können. Gleichzeitig empfinden sie die Nachricht natürlich als Katastrophe.

Bei meinem letzten Besuch bei euch wart ihr mitten in den Vorbereitungen für einen Umzug in besser geeignete Räume. Ist die ganze Vorbereitung dafür nun für die Katz?

Wir hatten große Pläne für die Zukunft des Studiengangs, wollten die Studienordnung reformieren und vor allem in bessere Räumlichkeiten umziehen, die nicht so belastet sind durch den Übebetrieb über und unter uns. Durch die Sanierung des Gebäudes am Einsteinufer tat sich eine einmalige Chance auf. Dort hätten wir in einer wunderbaren Ecke des Nebengebäudes unsere neuen Studios, Arbeitsräume für Holz und Metall, Büroräume und sogar das große Wellenfeldstudio bekommen. Zwei Jahre lang haben wir das alles sorgfältig durchgeplant – und jetzt ist diese ganze Planung umsonst. Es war übrigens auch eine Idee des vorherigen Präsidenten, uns gerade dort unterzubringen.

Gab es noch weitere Zukunftspläne für den Studiengang, die ihr jetzt nicht mehr umsetzen könnt?

Die große Weiterentwicklung wäre gewesen, nicht mehr gebührenpflichtig zu sein, aber da waren bisher immer alle Türen verschlossen. Sound Studies ist als Weiterbildungsangebot grundsätzlich gebührenpflichtig – mit der Zielvorgabe, sich komplett selbst zu tragen. Die UdK darf dafür eigentlich keinen Zuschuss geben. Gelingt das nicht, muss der Studiengang eingestellt werden – an anderen Universitäten ist das wohl schon passiert. Ein Grund dafür ist, dass wir uns im Wettbewerb mit anderen Weiterbildungsinstituten befinden. Würde die UdK dauerhaft Zuschüsse geben, würde das die Marktsituation verzerren.

Gleichzeitig würde eine hundertprozentige Selbstfinanzierung die Gebühren für die Studierenden noch weiter erhöhen, was für unsere Klientel nicht tragbar ist. Um die Finanzierung komplett selbst zu tragen, müssten die Gebühren um 50 % erhöht werden, ohne dass dafür passende Räumlichkeiten oder Infrastruktur zur Verfügung stünden.

Langfristig könnte der Weg nur darin bestehen, Sound Studies als regulären Masterstudiengang der UdK anzubieten. So ließen sich die bestehende Infrastruktur und die bisherige Arbeit erhalten, und die Frage der Finanzierung wäre zugunsten der Studierenden gelöst. Konkrete Ideen dafür gibt es bisher noch nicht. Alle sagen derzeit: »Wir haben kein Geld«, gerade angesichts der aktuellen Kürzungen. Schon vor drei Jahren hatte ich einen Vorschlag für ein fakultätsübergreifendes Sound Department eingebracht, weil wir genuin interdisziplinär sind und Klangkünstler*innen schon von Anbeginn in den 60ern einen ganz unterschiedlichen künstlerischen Background hatten, wie ihn auch unsere Studierenden heute mitbringen. Klangkunst hat die letzten Jahre die Bildende Kunst enorm erweitert, wenn man allein auf die letzte Biennale in Venedig blickt, wo viele Installation eine ausgearbeitete klangliche Ebene besaßen und der deutsche Beitrag sogar eine eigene Insel mit puren Klangkunstarbeiten bespielte. Auch einer meiner Studenten, Eldar Tagi, der dieses Jahr seinen Master bei mir macht, war offiziell Teilnehmer der Biennale. Aber schon damals konnte oder wollte für ein solches transdisziplinäres Institut niemand die Mittel aufbringen.

Trotzdem ist die zentrale Frage: Kann sich die größte Kunstuniversität Europas leisten, ein ganzes Kunstgenre nicht anzubieten? Das wäre etwa so, als würde es an der UdK keine Videokunst mehr geben.

Gab es deiner Meinung nach noch andere Alternativen zur Abwicklung, abgesehen von der Möglichkeit, den Studiengang ins allgemeine Studienprogramm zu integrieren?

Kurzfristig wäre eigentlich nur denkbar, Sound Studies an eine andere Fakultät anzubinden – am ehesten die Musikfakultät. Das ist im Moment die einzige Hoffnung. Dass sich daraus tatsächlich noch etwas entwickelt, dass Einsicht entsteht, dass Sound Studies and Sonic Arts nicht einfach so sterben darf. Wie genau das dann aussehen würde, also welche Form der Studiengang hätte, kann ich nicht sagen. Es könnte auch eine Verkleinerung bedeuten. Ob es massiven Spardrucks ist aktuell allerdings niemand wirklich gesprächsbereit.

Ich habe natürlich auch einige Professor*innen an der UdK direkt angesprochen, und die sind durchaus bereit, sich für uns einzusetzen. Es kann allerdings sein, dass das noch etwas dauert. Insofern möchte ich Protest und öffentliche Unterstützung auf jeden Fall ermutigen: Je größer der Aufschrei ist, desto deutlicher wird auch die Bedeutung des Studiengangs für die UdK und für Berlin betont.

Welche Botschaft möchtest du den Studierenden, Absolvent*innen und Unterstützer*innen des Studiengangs mitgeben?

Wir müssen den Protest unbedingt aufrechterhalten und sowohl der Universitätsleitung als auch den Fakultäten, den Dekan*innen, deutlich machen, dass hier etwas sehr Wichtiges verloren geht. Es kann nicht sein, dass ein ganzer Studiengang allein aufgrund gesetzlicher Umstrukturierungen aufgegeben wird. Es muss eine Lösung gefunden werden, um diese wertvolle Arbeit von zwei Jahrzehnten zu erhalten.

 

Petition

Die Petition gegen die Abwicklung des Programms Sound Studies and Sonic Arts findet ihr hier.

Statements aus der Szene

Jessica Ekomane, Electronic Musician and Sound Artist

»The Sound Studies program has been a vital center of production and socialization for several generations of high-level artists currently active in the sound art and experimental music scene, both locally and internationally. It provides education, resources, opportunities, and a safe environment for challenging innovation in an often precarious discipline. Its disappearance would mean the loss of years of effort and the end of an influential program.«

 

Kamila Metwaly, Artistic Director of MaerzMusik

»As the Artistic Director of MaerzMusik Festival at the Berliner Festspiele, I am deeply saddened to learn of the proposed plan to close the Sound Studies program at UdK. This is one of the most important sound studies programs in Europe, attracting diverse students from around the world, and it is crucial to Berlin’s cultural ecosystem. Its loss would constitute a profound setback for students, faculty, and the wider Berlin sound art community, of which the program has long been an active and vital part. I would strongly vouch for the reconsideration of this decision.«

 

Carsten Seiffarth & Markus Steffens, singuhr — projekte berlin

»Es ist unglaublich, was im Moment in der Berliner Wissenschafts- und Kulturpolitik geschieht! Die angekündigte Schließung des seit zwanzig Jahren am ZIWT der UdK etablierten Masterstudiengangs „Sound Art & Sonic Arts“ ist unverantwortlich! Seit den 1980er Jahren hat sich Berlin weltweit zu einem der wichtigsten Zentren für Klangkunst entwickelt! Die Gründung des internationalen Masterstudiengangs „Sound Studies“ war eine konsequente und zukunftsweisende Entscheidung, denn an vielen Kunsthochschulen wurden zu dieser Zeit Sound-Institute gegründet bzw. ausgebaut — Klang ist heute eines der zentralen Medien in der zeitgenössischen Kunst- aber auch experimentellen Musikszene. Der Masterstudiengang „Sound Art & Sonic Arts“ ist in Berlin die einzige Ausbildungsmöglichkeit für junge Menschen, die mit Klang in ihrer Kunst arbeiten wollen. Dies mit der angekündigten Schließung des ZIWT zu beenden, ist nicht nur kurzsichtig, sondern langfristig eine Katastrophe für die Berliner Kunst und Musik. Es macht im Gegenteil mehr Sinn, diese Ausbildung für Klangkunst vielmehr auszubauen und direkt in eine Fakultät der UdK einzugliedern!«

 

Matthias Osterwold, Musikkurator, Freunde Guter Musik Berlin e.V., ARTER Istanbul

»Gibt es derzeit nicht genug schlechte Nachrichten in der Welt? Der Welt der Künste jedenfalls fügt die Universität der Künste willentlich und willkürlich eine düstere Nachricht und Handlung hinzu mit der geplanten Schließung des Masterstudiengangs Sound Studies und Sonic Arts. Es ist unklug und kurzsichtig, wie hier ein seit Jahren erfolgreicher Studiengang mit Alleinstellungsmerkmal, der ein Juwel im Angebot der UdK darstellt, der Studierende aus aller Welt anzieht und sich weitgehend selbst finanziert, ohne wirkliche Not abgewickelt wird. SoundS greift als innovativer, interdisziplinär und intermedial ausgerichteter Studiengang den Umstand auf, dass Berlin seit den 1980er Jahren zu einem international führenden Zentrum einer neuartigen forschenden Kunstrichtung geworden ist, die sich unter den Begriffen Sound Art und Klangkunst als eigenständiges künstlerisches Feld etabliert hat. SoundS hat in Berlin genau seinen passenden Platz! Mit der Schließung würde ein wichtiger und spezifischer Ausbildungsstrang abgeschnitten, der auf dem Fundament einer starken, in Berlin hochlebendigen, von internationalen Akteuren getragenen Entwicklung steht, die schon Tradition ausgebildet hat. Ich fühle mich erinnert an die skandalöse Schließung des 1965 gegründeten Internationalen Instituts für Traditionelle Musik IITM im Jahr 1996, das eine bedeutende und, wir heute mehr denn je wissen, interkulturell zukunftsweisende Forschungstradition wiederbelebte, in der sich Berliner Wissenschaft im frühen 20sten Jhdt. Weltgeltung erworben hatte. Ja, det is Berlin! Aber Berlin hat auch eine starke Tradition des Widerstands. Wehren wir uns gegen die Schließung von SoundS!«

 

Bettina Wackernagel, Künstlerische Leitung Heroines of Sound Festival 

»Die geplante Schließung des Masterstudiengangs Sound Studies and Sonic Arts ist ein kulturpolitischer Skandal. Als einziger spezialisierter Master Berlins, der Klangkunst mit experimenteller elektronischer Musik verbindet, ist er ein zentraler Motor für die internationale Bedeutung der Stadt in diesen Disziplinen.

Seine Absolvent*innen prägen seit Jahren die Berliner Szene für experimentelle Musik, Medienkunst und Sound Art. Ihre künstlerischen und technologischen Innovationen machen die Stadt zu einem Labor für die Musik von morgen. Viele von ihnen gestalten das Festival Heroines of Sound mit und auch das Festivalteam wird maßgeblich von Absolventinnen und Dozent*innen des Studiengangs getragen.

Die drohende Schließung des Masterprogramms Sound Studies and Sonic Arts wäre weit mehr als eine hochschulpolitische Fehlentscheidung – sie setzt ein fatales kulturpolitisches Signal:  Berlin zieht sich aus einem seiner international wichtigsten künstlerischen Felder zurück und gefährdet Innovation wie kulturelle Strahlkraft. Als größte Kunstuniversität Europas trägt die UdK dafür besondere Verantwortung.

Diese fatale Entscheidung muss umgehend zurückgenommen werden!«

 

Eldar Tagi, composer, sound artist and student of the program

»I believe the closure of the Sound Studies program at UdK is not only a devastating blow to many aspiring artists, researchers, and educators around the world, but a decision that will have far-reaching negative consequences for Berlin’s own cultural and academic landscape. One of the program’s greatest strengths has been its international and interdisciplinary character: a magnet for diverse and inquisitive minds, and a hub for forward-thinking discourse at the intersection of art, culture, and technology. Because of this, Sound Studies fosters conversations and forms of exchange unlike anywhere else, which is tremendously valuable in a rapidly polarizing world.

While the immediate impacts on students, faculty, and staff are severe and undeniable, the broader loss may be even more profound. Berlin—and perhaps Germany more generally—risks losing one of its most distinctive and respected contributions to the global artistic and research ecosystem. The absence of such a program will leave a void that will not be easily or quickly replaced.«

 

Cashmere Radio-Team

»Cashmere Radio e.V. wurde 2015 von Studierenden des Masterstudiengangs Sound Studies in Berlin gegründet. Der Studiengang bringt Künstler:innen aus zahlreichen Ländern zusammen und bot uns den produktiven Freiraum für die künstlerische Forschung mit Klang und den Aufbau einer nicht-kommerziellen kulturellen Infrastruktur.

Die geplante Schließung wäre ein massiver Einschnitt. Sie zerstört jene offenen, interdisziplinären Räume, aus denen nachhaltige Initiativen wie unser Radio gewachsen sind. Mit der Schließung würde eine wichtige Verbindung zwischen der UdK und Berlin als Stadt für Sound getrennt.

Cashmere Radio e.V. was founded in 2015 by students of the Master's program in Sound Studies in Berlin. The program has brought together artists from numerous countries and offered us the productive freedom to conduct artistic research with sound and build a non-commercial cultural infrastructure.

The planned closure would be a massive cultural and political blow. It would destroy the open, interdisciplinary spaces from which sustainable initiatives such as our radio station have grown. The closure would sever an important link between the UdK and Berlin as a city of sound.«

 

Elisa Visca, Stud.vertreterin im Institutsrat     

»We were shocked by the sudden announcement that UdK’s Sound Studies and Sonic Arts department, along with the ZIWT, will be closed, communicated in a vague and unilateral manner. This decision threatens not only our education but also Berlin’s experimental cultural ecosystem, to which we actively contribute as students, artists, and members of an internationally recognized sound community. Despite widespread public support for the program, the university has cancelled the only institute council meeting where opposition could be voiced ahead of the final senate vote on February 11, without providing a new date, effectively silencing discussion. We stand together in opposition to this closure and call on the public, artists, and institutions to support the continued presence of experimental sound research and artistic practice in Berlin’s universities.«

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