Nachruf: Andreas Engström

6. Mai 2026 | Redaktion

Andreas Engström

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von dem Musikwissenschaftler, Redakteur und Kurator Andreas Engström, der über viele Jahre hinweg das Berliner Musikleben maßgeblich mitgestaltet hat. Für ihn endet damit ein langer Weg mit einer schweren Krankheit, die sein Leben in den letzten Jahren zunehmend bestimmt hat.

Andreas Engström hatte die Fähigkeit, genau hinzuhören. Seine Arbeit war geprägt von einer großen Neugier auf die Möglichkeiten von Musik und Kunst, die ihn immer wieder über die vermeintlichen Grenzen dessen hinausblicken ließ, was Musik sein kann. Von seinen zahlreichen Reisen brachte Andreas ein außergewöhnliches Wissen über Menschen, Musiken und kulturelle Zusammenhänge mit und fütterte damit einen Erfahrungsschatz, der seinesgleichen suchte. Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgte er die Entwicklungen in Mitteleuropa, dem Nahen Osten und Südostasien und interessierte sich zudem stark für Volks- und Weltmusik sowie für Subkulturen aus aller Welt. Er gehörte zu den selten gewordenen Musikdenker*innen, die Trends und Zeitgeist nicht einfach übernahmen, sondern kritisch befragten.

Er studierte Musikwissenschaft in Schweden und arbeitete als freier Autor, Kritiker und Herausgeber für zahlreiche Publikationen im europäischen Raum, darunter Tageszeitungen und Fachzeitschriften wie Dagens Nyheter, Svenska Dagbladet, Seismograf, Tempo und viele mehr. Über viele Jahre hinweg war er zudem Chefredakteur der schwedischen Musikzeitschrift Nutida Musik und als (Co-)Autor an einschlägigen Publikationen zu Klangkunst und Kunstmusik in Skandinavien beteiligt.

Zuletzt war Andreas Mitherausgeber und Redakteur des Magazins Positionen – Texte zur aktuellen Musik, das er 2018 gemeinsam mit Bastian Zimmermann übernahm und grundlegend neu ausrichtete. Unter seiner Mitwirkung entwickelte sich die Zeitschrift zu einem zu einem wichtigen Diskursraum für zeitgenössische Musik und ihren Schnittstellen zu anderen Künsten.

In Berlin war er nicht nur für Positionen prägend tätig, sondern auch einer der Initiator*innen und Kurator*innen der Konzertreihe KONTRAKLANG. Deren Einstellung infolge ausbleibender Förderung markiert bis heute eine spürbare Lücke im Musikleben der Stadt. Aufgrund seiner tiefen Kenntnis der Berliner Musikszene war er zudem ein geschätztes Mitglied verschiedener Jurys, unter anderem der inm – initiative neue musik berlin.

Er war ein warmer Mensch und treuer Freund, aber auch ein streitbarer Geist, der die Auseinandersetzung liebte und suchte – und gerade deshalb waren seine Texte unkompromittiert und ehrlich, wie Musikkritik sein sollte, aber nur selten ist. Genau dafür haben wir ihn geschätzt und auch manchmal mit ihm gelitten. Im Diskurs der neuen Musik und als Freund wird er eine große Lücke hinterlassen.

Die letzten Jahre verbrachte er in Schweden, im Kreise seiner Familie und Freunde, denen wir in tiefer Trauer verbunden sind.

Du wirst uns fehlen.

 

Für die inm – initiative neue musik berlin
stellvertretend: Lisa Benjes

Für das Magazin Positionen – Texte zur aktuellen Musik
stellvertretend: Bastian Zimmermann