PETER ABLINGER - 1 YEAR AFTER
Fr., 17.04.2026, 20:30 - 22:00 | KM28
Fr., 17.04.2026, 20:30 - 22:00 | KM28
Der seit den 1980er-Jahren in Berlin lebende österreichische Komponist Peter Ablinger ist am 17. April 2025 nach kurzer, wenn auch schmerzlich langer Krankheit friedlich eingeschlafen.
Die Musikwelt trauert – nicht nur in Berlin, sondern weit darüber hinaus.
Peter Ablinger hat die Berliner Szene der Neuen Musik maßgeblich mitgeprägt. Er gründete das Festival klangwerkstattin Kreuzberg, das später von Michael Beil und Stefan Streich übernommen wurde und bis heute besteht. Zudem rief er das Ensemble Zwischentöne ins Leben, um gemeinsam mit Profi- und Laienmusiker*innen extreme Neue Musik erfahrbar zu machen.
Zu seinen Ehren ist ein umfassender Gedenktag geplant – mit seiner Musik, Bildern, Klanginstallationen und einem dreiteiligen Konzert. Österreichische Köstlichkeiten werden auf Spendenbasis angeboten. Das Memorial-Konzert wird an seinem ersten Todestag, dem 17. April, im KM28 stattfinden.
Über den Komponisten Peter Ablinger:
"Die Klänge sind nicht die Klänge! Sie sind da, um den Intellekt abzulenken und die Sinne zu besänftigen. Nicht einmal das Hören ist das Hören: Das Hören ist das, was mich selbst erschafft." Der 1959 in Schwanenstadt, Österreich geborene Peter Ablinger ist, so hat es Christian Scheib einmal formuliert, ein "Mystiker der Aufklärung", dessen "Anrufungen und Litaneien auf das Erkennen abzielen". Gleichzeitig ist der Komponist, der - nach einem Graphikstudium - bei Gösta Neuwirth und Roman Haubenstock-Ramati studierte und seit 1982 in Berlin lebt, ein Skeptiker, der um die durch Tradition aufgezwungenen kulturelleen Spielregeln und (schlechten) Angewohnheiten weiß: "Spielen wir also weiter und sagen: Die Klänge sind da, um zu hören (- nicht um gehört zu werden. Das ist etwas anderes.). Und das Hören ist da, um aufzuhören. Mehr weiß ich auch nicht." (Christian Baier)
Peter Ablinger:
„Einmal - ich glaube es war 1986, Hochsommer - bin ich bei einem Spaziergang durch die Felder östlich von Wien nahe der ungarischen Grenze - Haydns Geburtsort lag in der Nähe - auf etwas Merkwürdiges gestossen. Das Getreide stand hoch und war wohl kurz vor der Ernte. Der heisse sommerliche Ostwind strich durch die Felder und plötzlich hörte ich das Rauschen. Obwohl es mir oft erklärt wurde kann ich immer noch nicht sagen wie sich Weizen- und Roggenpflanze voneinander unterscheiden. Aber ich hörte den Unterschied. Ich glaube, es war das erste Mal, daß ich ausserhalb eines ästhetischen Zusammenhangs (etwa eines Konzerts) wirklich hörte. Oder es war überhaupt das erste Mal, daß ich hörte. Etwas war geschehen. Vorher und nachher waren kategorisch geschieden, hatten nichts mehr miteinander zu tun. Zumindest schien es mir so, damals. Im Nachhinein erkenne/erinnere ich auch andere vergleichbare Erlebnisse, die mit einer ruckartigen Öffnung der Wahrnehmung zu tun haben, aber der Spaziergang durch die Getreidefelder war vielleicht das Folgenschwerste. Denn auf die ein oder andere Weise, scheint mir, haben alle Stücke die ich seither gemacht habe mit dieser Erfahrung zu tun. Auch solche Stücke, die sich nicht dem Rauschen widmen, oder mit traditionellen Instrumenten gespielt werden etc.“