In memoriam Christian Broecking – Zu seiner Bedeutung für den Jazz-Diskurs
Veranstaltungsreihe »imp[or]trait« #13
Do., 26.02.2026, 20:00 - 22:00 | exploratorium berlin
Do., 26.02.2026, 20:00 - 22:00 | exploratorium berlin
Mit Maxi Broecking
Zu Gast: Rainer Kern
Videobotschaft: George Lewis
Moderation: Mathias Maschat
„Vor fünf Jahren starb der Musikwissenschaftler, Soziologe und Musikkritiker Christian Broecking. Als Jazzforscher, Autor, Kritiker und Vermittler hat er den deutschsprachigen Jazzdiskurs über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt. Seine Arbeiten zeichnen sich durch analytische Schärfe, historische Tiefe und eine besondere Aufmerksamkeit für die ästhetischen, sozialen und politischen Dimensionen improvisierter Musik aus. Christian Broecking verstand Jazz nicht nur als musikalische Praxis, sondern als kulturellen Resonanzraum – als Ort von Erfahrung, Haltung und gesellschaftlicher Auseinandersetzung.
In seinen Interviews, vor allem mit Schwarzen Jazzmusiker*innen, ist es ihm auf eindrückliche Weise gelungen, deren Stimmen hörbar zu machen und ihnen zugleich Gewicht zu verleihen. Ihnen Respekt zu zollen und ihr Wirken gesellschaftlich, politisch und ästhetisch zu verorten, gehörte zu den zentralen Anliegen seines Denkens und Handelns. Immer wieder insistierte Broecking darauf, dass Jazz ohne die Anerkennung seiner Wurzeln in der Schwarzen beziehungsweise Afrodiasporischen Kultur nicht verstanden werden kann – und dass es nicht ausreicht, ästhetische Formen zu feiern, wenn die kulturellen, politischen und oft gewaltsamen Kontexte ihrer Entstehung ausgeblendet bleiben.
Für den Jazzdiskurs ist die von Christian Broecking geleistete Arbeit von größter Bedeutung. Auch für mich persönlich gibt es nur wenige Autor*innen, die meine eigene Auseinandersetzung mit Jazz und Improvisation in vergleichbarer Weise geprägt haben. Ich bin sehr dankbar, dass ich Christian Broecking persönlich kennenlernen und mich mit ihm im direkten Gespräch über gemeinsame Fragestellungen austauschen konnte. Sein Tod hat mich tief bestürzt.
Umso mehr freue ich mich, Christian Broecking nun gemeinsam mit seiner Frau, der Jazzjournalistin Maxi Broecking, einen Abend des Gedenkens und der Reflexion seines Schaffens widmen zu können. Anhand ausgewählter Beispiele aus seinen Interviews diskutieren wir zentrale Themen seines Denkens und beleuchten seinen umfassenden Blick auf kreative Musik. Auch seine Töchter werden anwesend sein.
Zu Gast ist außerdem Rainer Kern, Gründer und künstlerischer Leiter des Enjoy Jazz Festivals. Er stand in enger Verbindung mit Christian Broecking und organisierte mit ihm Symposien im Rahmen des Festivals und in Zusammenarbeit mit dem Heidelberg Center of American Studies. Es rief ebenso die Christian Broecking Lecture ins Leben und gründete den mit 10.000 Euro dotierten Christian Broecking Award, der jedes Jahr an herausragende Künstler*innenpersönlichkeiten vergeben wird, die sich in ihrem Werk und ihrer wissenschaftlichen Forschung sozial und politisch engagieren.
Als langjähriger Freund von Christian und Maxi Broecking steuert zudem der Komponist, Musikwissenschaftler, Computer-Installationskünstler und Posaunist George Lewis eine Videobotschaft bei, in der er auf Christian Broeckings Bedeutung für den Jazzdiskurs eingeht. Lewis hebt hervor, dass Christian Broecking in seinen Interviews ‚nicht davor zurückschreckte, seine Gesprächspartner*innen aufzufordern, sich den schwierigsten Fragen zu stellen – Fragen nach Ästhetik, Politik, Identität und, was heute besonders dringlich ist, nach der Zukunft der Musik.‘“
(Mathias Maschat, exploratorium berlin)