London Symphony Orchestra
Musikfest Berliner 2026
So., 06.09.2026, 20:00 - 22:00
So., 06.09.2026, 20:00 - 22:00
Musik ist für Sofia Gubaidulina die „wichtigste Form des Widerstands der Menschheit gegen den geistigen Verfall“. In der Sowjetunion standen ihre religiös geprägten Werke auf der „Schwarzen Liste“. Nach dem Ende der Sowjetunion zog Gubaidulina 1992 in ein kleines Dorf bei Hamburg, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Im „tiefsten Sinne“ sei das Musizieren eine Art von Gottesdienst, so die in ihrem Schaffen immer um spirituelle Fragen kreisende Komponistin. Dies ist auch ihrem Konzert für Viola und Orchester anzuhören, das der erste Solobratschist des London Symphony Orchestra Eivind Ringstad interpretiert: „Das eigentümlich Mysteriöse und das Verschleierte des Bratschentimbres sind für mich stets rätselhaft gewesen“, so die Komponistin.
Auch Anton Bruckner war zutiefst gläubig. An seiner unvollendet hinterlassenen 9. Sinfonie – dessen Skizzen zum Final-Entwurf Andenkenjäger*innen und Autografensammler*innen in alle Winde verstreut haben – hat er so lange gearbeitet, wie an keinem anderen Werk. Ob hierfür das Beethoven-Erbe, die Tonart d-Moll von Beethovens 9. Sinfonie oder die dem Zahlenmystiker Bruckner natürlich bekannte symbolische Bedeutung der Zahl Neun verantwortlich war (als potenzierte Drei das Symbol höchster Vollkommenheit), ist ungewiss. Mysteriös, wie aus dem Nichts kommend, beginnt der „feierliche“ erste Satz, der sich als existenzielles Erlebnis bald ins Monumentale steigert. Nach dem Scherzo mit spukhaftem Trio folgt dann eines der schönsten Adagios, die Bruckner je geschrieben hat: verklärende Klänge, die der Komponist „Abschied vom Leben“ nannte.