Kurt Schwitters - Die Ursonate
Mi., 07.10.2026, 20:30 - 22:30 | PANDA Platforma
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Eine phonetische Blech-Revolte zwischen Dadaismus und zeitgenössischem Jazz. Fümms Bö Brass widmet sich der Verbindung von Sprache, Klang und musikalischer Interpretation und schafft mit der Besetzung einen vielschichtigen Klangraum, in dem Rezitator Thomas Krüger als energetisches Zentrum fungiert. Wenn das Ensemble Kurt Schwitters’ monumentale Ursonate (1922–1932), eines der radikalsten Werke der Lautpoesie, auf die Bühne bringt, begegnen sich zwei Welten: die radikale Sprachzertrümmerung der historischen Avantgarde und die hochenergetische Improvisationskunst der Berliner Jazzszene.
Die Ursonate von Kurt Schwitters, ein dadaistisches Lautgedicht in vier Sätzen, das zwischen 1923 und 1932 entstanden ist, kann man als Versuch sehen, im Angesicht von Krisen und Umbrüchen eine neue Ausdrucksform zu finden. Thomas Krügers Auseinandersetzung mit dem Werk reicht bis in das Jahr 1986 zurück. Was in der DDR als Akt der „epistemischen Selbstverteidigung” gegen eine ideologisch erstarrte Sprache begann, hat sich bei Krüger zu einer physischen Metamorphose entwickelt. Er liest den Text nicht, er „ist” der Text. Seine Rezitation ist eine physische Höchstleistung aus präziser Artikulation und eruptiver Atemtechnik. Er fungiert als „menschliches Kraftwerk”, um das das Quintett seine klanglichen Skulpturen baut.
2016, zum 100-jährigen Jubiläum des Dadaismus, wurde Krüger von den Berliner Festspielen in das Rahmenprogramm des Theatertreffens eingeladen, um die Ursonate, neu arrangiert, aufzuführen. Mit dem hochkarätigen Quintett um die Bandleaderin Anke Lucks begann eine Dada-Reise, die noch nicht ans Ziel gekommen ist.
Die Presseresonanz bestätigt die Relevanz dieses Ansatzes: Während die FAZ die „staunenswerte Präzision” lobte, feierte die Frankfurter Rundschau die Performance als einen „Akt der Befreiung”. Dass das Projekt im Zuge eines Festivalauftritts im New Yorker Roulette von der NY Jazz Association 2022 als „Best Concert of the Year” ausgezeichnet wurde, unterstreicht die globale Kraft dieser Berliner Dada-Deutung.
In einer Welt, in der KI-Systeme Sinn oft nur noch simulieren, setzt Fümms Bö Brass auf den radikalen Non-Sense als Akt der Aufrichtigkeit – eine „kognitive Guerilla”, die den Raum für den radikalen Neuanfang durch den reinen Klang feiert.