Ensemble Modern / Neue Vocalsolisten Stuttgart / SWR Experimentalstudio
Musikfest Berlin 2026
Fr., 18.09.2026, 19:00 - 21:00 | Philharmonie, Kammermusiksaal
Fr., 18.09.2026, 19:00 - 21:00 | Philharmonie, Kammermusiksaal
Ist die Musik aus der Sprache entstanden oder umgekehrt? Der Ursprung gibt Rätsel auf, dabei gab es wahrscheinlich ohnehin nicht einen, sondern mehrere Anfänge. Clara Iannotta und Márton Illes – zwei im besten Sinne eigenwillige Vertreter*innen der zeitgenössischen Musikszene – lassen sich von Lyriker*innen inspirieren. Die Gedichte der Irin Dorothy Molloy begleiten Iannotta schon lange und bereiteten den Boden für Werke wie They left us grief-trees wailing at the wall. Auf die surreale Szene einer akustischen Klagemauer antwortet die Italienerin mit einer Reise durch eine Klangwelt, in der kaum etwas an den vertrauten Klang der klassischen Instrumente erinnert. Mit Klebestreifen, Styropor und Pappe präpariert, aber auch ungewöhnlich gespielt, verwandeln sich die Instrumente, offenbaren eine andere Identität und verrücken die Koordinaten des gewohnten Systems.
Ausgehend von der Erfahrung, dass alles, was sicher scheint, seine Selbstverständlichkeit plötzlich verlieren kann, entstand die Kammermusik mit Elektronik echo from afar (ii). Geschrieben nach einer Strahlentherapie, verarbeitet Clara Iannotta in diesem Werk ihre akustischen Erinnerungen an die Behandlung zwischen Furcht und Zuversicht. Die Musik ist dabei kein Abbild der Krankheit, vielmehr sucht die Komponistin nach einem Ausdruck für „diese unsichtbare Kraft, die einen von innen verändert“ – und vertraut damit auf einen Neubeginn.
Márton llés, ein Komponist, der kaum ein Detail seiner differenzierten Klang- und Geräuschfindung dem Zufall überlässt, spekuliert mit dem Dichter Felix Reinhuber über erste Artikulationen. Die Reise zurück in die Zeit der Anfänge ist ein Versuch, das Etablierte und Gemachte zu vergessen und sich jenseits tradierter Formsprachen zu bewegen. Dass der Traum von der Urzeit vom SWR Experimentalstudio live-elektronisch unterstützt wird, ist kein Widerspruch. Ob beim Aufbruch oder bei der Rückkehr ins Unbekannte: mit Hilfe von Technologie lassen sich manche Schwellen überwinden.