Berliner Philharmoniker I
Musikfest Berlin 2026
Fr., 11.09.2026, 20:00 - 21:00 | Philharmonie
Fr., 11.09.2026, 20:00 - 21:00 | Philharmonie
Brett Dean hat schon eine ganze Reihe von Werken geschrieben, die sich ausdrücklich auf das Schaffen von Robert und Clara Schumann bzw. auf deren persönliches Umfeld beziehen – Bezüge, die weniger durch direkte Zitate vermittelt werden als vielmehr durch verfremdete Anklänge und bruchstückhafte Reminiszenzen, in denen Momente der musikalischen Romantik wie ein historisches Echo im zeitgenössischen Kontext wahrnehmbar werden. Die ursprüngliche tonale Harmonik wird dabei durch mikrotonale Verschiebungen und Cluster wie in einem Hohlspiegel verfremdet, was einen oft irreal anmutenden Dialog zwischen ferner Vergangenheit und Gegenwart entstehen lässt, wobei Dean bisweilen auch mit kontrastierenden Klangzuständen auf die beiden poetischen Alter Egos von Schumann Bezug nimmt (Florestan und Eusebius). Einen solchen Dialog komponierte Dean auch mit seinen Conversations with Schumann für Sopran und Orchester – eine „Suite“, die zwischen impulsiven (Florestan) und introvertiert-lyrischen (Eusebius) Teilen wechselt. In seinem Werk And once I played Ophelia für die gleiche Besetzung dreht sich die entrückte Musik um die singend in den Tod gehende Geliebte von Shakespeares Hamlet, deren Solopart der Sopranistin allerhand abverlangt: von vierteltönigen Klagerufen bis zum dreigestrichenen f. Mit Debussys La cathédrale engloutie in der brillanten Orchesterversion von Colin Matthews folgt eine atmosphärische Musik, die mit Assoziationen an mittelalterlichen Gesang, Glockenton und Orgelklänge das Bild der Kathedrale von Ys heraufbeschwört, die nach einer bretonischen Legende im Morgengrauen aus dem Meer aufsteigt und wieder versinkt. Der Abend schließt mit Brett Deans Orchesterstück Beggars and Angels, in dem bedrohliche Klangeruptionen auf flirrende Streicher-Flageoletts treffen: Die Himmelsgeschöpfe erweisen sich als unbeständige, vielleicht sogar gefährliche Wesen.