David Wallraf: Grenzen des Hörens. Noise und die Akustik des Politischen (Buch, transcript)

David Wallraf steckt als Musiker und Veranstalter des Noisexistance-Festival in Hamburg selbst knietief in im Genresumpf von Noise, hat aber seinen distanzierten Blick auf das Phänomen darüber bewahrt. Das zumindest beweist seine Dissertationsarbeit, die nun beim Fachbuchverlag transcript erschienen ist. Tatsächlich stellt Grenzen des Hörens. Noise und die Akustik des Politischen auch weit mehr als eine Auseinandersetzung mit Noise-als-Genre dar, sondern widmet sich der Frage, was überhaupt unter diesem bedeutungsoffenen Begriff verstanden werden kann.

Wallraf seziert die bisherige Forschung genauso konzise, wie er post-strukturalistische Theorien heranzieht, physische Grundlagen von Sound diskutiert, den Einsatz von Schall als Waffe analysiert und die Geschichte von Knabenchören untersucht. Am Ende steht natürlich keine einfache und griffige Antwort, sondern ein höchst differenziertes Buch voll kluger Gedanken über die sozialen und politischen Implikationen von Krach, Lärm und Klang.