Zum Geburtstag von Pauline Oliveros

Heute, am 30. Mai, wäre Pauline Oliveros 90 Jahre alt geworden. Die im November 2016 verstorbene Pionierin des »Deep Listening« war eine stille, unbeugsame Radikale. Als Mitbegründerin des San Francisco Tape Music Center, Dozentin, Autorin zahlreicher Bücher, Theoretikerin des Hörens und von innovative musikalischen Praktiken sowie nicht zuletzt als Komponistin einer Vielzahl von Werken hat sie in der Musikwelt und darüber hinaus Akzente gesetzt.

Nicht alle von den diesen Akzenten waren dermaßen pointiert und lautstark wie ihr bahnbrechendes Essay »And Don't Call Them 'Lady' Composers«, das im Jahr 1970 den Weg für einen feministischen Diskurs im Bereich der Neuen Musik mitebnete. Nein, angefangen von ihren Werken für Akkordeon und/oder Stimme, ihrem breiten elektroakustischen und elektronischen Schaffen und natürlich ihrer Arbeit mit der Deep Listening Band: Ihr Konzept einer »sonic awareness«, wie es Heidi von Gunden nennen sollte, setzte vor allem auf Dauer und Vertiefung, bewusste Wahrnehmung und soziale Interaktionen durch und im Medium des Klangs statt brachialer Wirkungseffekte. Breite Reissue-Kampagnen, in deren Rahmen unter anderem vom Label Important Records ein 11CD-Box-Set mit dem Titel »Reverberations« neu verfügbar gemacht werden, unterstreichen umso mehr den Innovationsgeist und die wichtige Funktion Oliveros' in der Welt der zeitgenössischen Musik und darüber hinaus.

Und sowieso: Wie viele stilprägende Komponist*innen der vergangenen Jahrzehnte hatten nicht nur ein Ohr für selbst die zartesten Sounds, sondern ebenso einen schwarzen Gürtel in Karate? Wir gratulieren postum zum Geburtstag.