scetches: Jutta Ravenna 2021 , Foto: René Henry 2019
Mi, 29/09/2021, 18:00 Uhr
Klangkunst / Sound Art / Diskurs / Performance

Zeiten-Pendel von Jutta Ravenna


kybernetische Klangskulpturen

Gewichtig schreiten die Sekunden vorbei; Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre: Das Wesen des Pendels einer Standuhr besteht darin, in der Wiederholung des Pendelschlags Zeit exakt zu messen. Ein Metronom hingegen vermag als Zeitgeber in der Musik variable Tempi innerhalb einer Skala miteinander zu kombinieren.

Jutta Ravennas neueste Arbeit Zeiten-Pendel erforscht das Metronom als zwischen Stabilität und Instabilität pendelnde Klangbewegung in einer Vielzahl von schwingenden Lautsprechern mit justierbaren Gewichten als Klangobjekte im Raum. Um die raum-klangliche und physikalische Wirkung zu erkunden, wird die Größe einzelner Metronome variiert und bis hin zu architektonischen Proportionen gesteigert. Vom 29. September bis zum 3. Oktober 2021 zeigt der Flutgraben e.V. das installative Werk rund um das Thema Zeit. (Was zeitlich ist, ist endlich.) Begleitet wird die Klanginstallation durch einen Artist Talk mit Sabine Sanio, Studiengang Sound Studies and Sonic Arts der UdK Berlin. Für besondere Überraschungen sorgen zwei Konzerte mit jeweils einer elektroakustischen und kybernetischen LIVE-Performance am Mittwochabend jeweils um 19 und 20 Uhr.

Werk-Genese:

Die physikalischen Experimente der Pendelmechanik wurden in der Anfangsphase entkoppelt von der klanglichen Ebene realisiert, um im späteren Verlauf des Projekts computerbasiert miteinander koordiniert zu werden. Das computerbasierte Audiodesign erfolgt insofern in Abhängigkeit von der Pendelmechanik. Insgesamt ergeben sich vier Modi: mit Klang pendelnd, ohne Klang pendelnd, mit Klang im Stillstand oder ohne Klang im Stillstand. Hinsichtlich ihrer Pendelfrequenz und Regulierung der Motorengeschwindigkeit werden beide Ebenen (Klangproduktion und Motorenantrieb) so gesteuert, dass am Wendepunkt des Pendels ein Geräusch zu hören ist. Das an der Decke installierte Pendel-Orchester wird in unterschiedlichen Tempi mit computergeneriertem Klangmaterial angesteuert. Anstelle des typischen Klickgeräuschs wird über Sampling variables perkussives Material miteinander kombiniert. Diverse Lautsprechertypen verändern in Jutta Ravennas Zeiten-Pendel die Klangfarbe. Polymetrische Strukturen und Temposchwankungen bilden eine weitere Komponente in der Variation. Das Projekt schließt mit einer die spezifische Akustik des Raumes berücksichtigenden Präsentation des Pendel-Orchesters ab.

Auf die anfängliche Entwicklung eines sensorgesteuerten Prototyps folgte der Bau acht weiterer variabler Pendel. Erweiterbar wäre die Anzahl als offenes Projekt in Zukunft auf unbestimmte Zahl und Dimension entsprechend der situativen und räumlichen Gegebenheiten.

Zwischen Ordnung und Chaos steuert das Computerprogramm, beeinflusst von der Eigenresonanz des Pendels die Bewegungen und beide variieren Geschwindigkeit und Ausschlag auf der Basis von Größe, Gewicht und über eine justierbare Masse. Der Puls der Zeit wird im synchronen/asynchronen Schwingen, im Ausbrechen aus einem gemeinsamen Tempo, in der Beschleunigung/Verlangsamung oder dem Stillstand einzelner Pendelpaare oder Gruppen spürbar.

Technik-Team: Carlo Crovato, Nico Daleman, Jan Mudrak, Paul Schuladen und Dorian Lange (Beratung Produktion und Technik)

Das Projekt Zeiten-Pendel wird gefördert von dem Musikfonds, Neustart Kultur, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Initiative Neue Musik Berlin

Ein-Hertz-Performance (René Henry und Jutta Ravenna)

Eine Beziehung zwischen Puls, Pulsfrequenz und der Musik stellte bereits um 1450 der Mediziner Michaele de Savonarola in den Tempograden der Mensuralmusik her. In René Henrys und Jutta Ravennas Performance wird der Puls der Ein-Hertz-Frequenz über Armgesten visualisiert und stumm wiederholt. Anatomische Realität wird zu Gesten.

Performer: Juliane Winkler, Sara Messell, Roberta Busechian und Max Joy

Präsentation:
Ort: Am Flutgraben 3, 12435 Berlin, www.flutgraben.org
Mittwoch, 29. September doors um 18:00 Uhr
Eröffnung der kybernetischen Klanginstallation
Mittwoch, 29. September jeweils um 19:00 und 20.00 Uhr
Konzert mit einer elektroakustischen und kybernetischen LIVE-Performance (Jutta Ravenna)

Ein-Hertz-Performance (René Henry und Jutta Ravenna)

kybernetische Klanginstallation täglich geöffnet von Donnerstag bis Sonntag, 30.9. - 3.10. von 15 bis 20 Uhr

Sonntag, 3. Oktober um 17:00 Uhr
Artist Talk mit Sabine Sanio, Studiengang Sound Studies and Sonic Arts der UdK Berlin.

  • Jutta Ravenna, kybernetische Klangskulpturen: »Zeiten-Pendel« (2021)

http://www.flutgraben.org

  • Dauer: 5:00h
  • Bemerkungen zum Datum und Uhrzeit: täglich geöffnet von Donnerstag bis Sonntag, 30.9. - 3.10. von 15 bis 20 Uhr
  • Flutgraben e.V.
  • Am Flutgraben 3, Berlin
  • Bemerkungen zum Ort: first floor
  • Ticketpreis: Eintritt frei