Foto : Natalia Pschenitschnikova
Mi, 15/09/2021 - Do, 30/09/2021
Klangkunst / Sound Art / Komponierte Musik / Longplay (Austellungen, Installationen, überlange Konzertformate)

28 Augenblicke


Eine Dokumentaroper im Stadtraum , von Natalia Pschenitschnikova

Natalia Pschenitschnikova
28 Augenblicke
Stimmen aus dem Brunnen der Erinnerung

Brunnen der Erinnerung ist ein mehrteiliges Projekt für Stimme und Live-Elektronik, das auf Gesprächen mit Frauen im Alter von über 80 Jahren basiert. Die Frauen leben in fünf Städten - Wladikawkas, Berlin, London, Moskau und Kiew. In Interviews (zwischen 5 und 10 pro Ort) werden sie nach ihren primären Klangerinnerungen aus ihrer Kindheit befragt. Diese Audio-Flashbacks rufen persönliche Klangbilder hervor, die als Modell für musikalische Klangschichten dienen. .

Die elektronisch transformierten Stimmen der Frauen interagieren mit der „nachsingenden“ und kommentierenden Stimme der Performerin. Aus dem Klang erwachsen Lebensgeschichten, und im Klang begegnen sich diese Geschichten.

Für jede Stadt werden spezifische und sehr unterschiedliche Formate der Realisierung, sowohl im digitalen als auch im Live-Format (Konzert), gewählt. Das erste Teilprojekt wurde 2017 in Wladikawkas (Nordossetien) im Rahmen des Festivals „Alanika“ realisiert. Die nächste Etappe des Projekts ist in Berlin lokalisiert (Erarbeitungs-/Produktionszeitrum September 2020 bis Februar 2021). Für das Berliner Projekt „28 Augenblicke“ werden neue Rahmungen des akustischen Raums und der akustischen Zeit experimentell erprobt.

Digitale Realisation

"28 Augenblicke"- das sind digital re-evozierte Augenblicke, in denen die erinnerten Zeitmomente, die Aufnahmezeiten und die Wahrnehmungsmomente der Zuhörer koinzidieren. Es sind fluide Zeitpunkte, die sich nicht zu dauerhaften Strukturen verfestigen.

Die Bewegung im städtischen Raum ist eine adäquate Situation für diese Erfahrung unsteten Erinnerns. Es wird ausgelöst durch ‚Botschaften‘, die von den Frauen im Raum der Stadt zurückgelassen wurden, als singuläre Reste in Raum und Zeit, an Orten, die sie selbst einmal besucht oder bewohnt haben. Beides, sowohl örtliche als auch zeitliche Partikularisierung, sind wesentliche strukturelle Bedingungen der Realisation.

Das geeignete technische Format für eine solche urbane Intervention der Stimmen ist deren Abrufung über QR-Codes mittels Smartphones/Kopfhörern. Der Bewegungsraum der Rezipienten wird akustisch ‚besetzt‘ – nicht im Sinne einer Aggression, sondern im Sinne von kleinen Einladungen. Die Codes sind Tickets zur Teilnahme an den jeweils abrufbaren raumzeitlichen Partikeln (Länge zwischen 30 Sekunden und maximal fünf Minuten.)

Der Gedanke der Einladung oder des Geschenks widerspricht unserem automatisierten Umgang mit QR-Codes. Sie werden nicht als utilitäres Medium, wie wir es vom Einkaufen, Informationsbeschaffung aber auch als Kontrollinstrument kennen, eingesetzt, sondern öffnen Zeitfenster, die einen Augenblick schenken.

Audiodesign der digitalen Realisation

Die einzelnen Audioclips haben jeweils unterschiedliche, von Aufnahmebedingungen, inhaltlichen und formalen Aspekten abhängige Wiedergabeformate. Da Kopfhörer- bzw. InEar-Hörer eingesetzt werden, kann ein breites Spektrum von Formaten, Mono-, Stereo- , Surround- oder 3D Audio (binaural 3D), angewendet werden.

Für die Hörer sind keine besonderen Playback-Applikationen notwendig. Die binaurale Mischung und Programmierung/Codierung wird mittels DAW produziert (ProTools mit dem PlugIN DearVR PRO).
Das Projekt war durch Stipendium "Neustart Kultur" MusikFonds gefördert.

Audioaufnahmen der Stimmen von Frauen aus Berlin (Alter ab ca.80 Jahre). Die Stimmen selbst, sowie O-Töne, Atmung, Pausen, der akustische Raum bilden ein Stück von 28 kurzen Interventionen mithilfe von in der Stadt platzierten QR-Codes.

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  • Einführung: 15.09.2021 Vor der Apostel -Paulus- Kirche: Grünewalstraße/Ecke Akazienstraße um 17:00
  • Dauer: 00:20h
  • Open Air / Stadtraum
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  • Bemerkungen zum Ort: Dokumentaroper in Stadtraum auf die Straßen von Wilmersdorf, Charlotennburg, Schöneberg
  • Barrierefreiheit: Sehbehinderung und Blindheit / motorische Einschränkungen / kognitive Einschränkungen
  • Ticketpreis: keine