© Jasmine Kwong // Cristina Marx
Sa, 07/11/2020, 19:00 Uhr
Konzert

Tomeka Reid Quartet // Jim Black Trio


Jazzfest Berlin 2020

Die Konzerttandems des Jazzfest Berlin – New York sind für das Publikum im silent green jeweils in zwei Teilen zu erleben, einem Live-Konzert und einer mehrkanaligen audiovisuellen Live-Übertragung aus dem Roulette in New York.

Livestream aus New York

Tomeka Reid Quartet
Die Chicagoer Cellistin und Komponistin Tomeka Reid gilt als eine der großen zeitgenössischen Improvisatorinnen auf ihrem Instrument. Allerdings zog sie es stets vor, klanglich innerhalb von Ensembles zu agieren und ihre technische Meisterschaft auf subtile Art im Dienste Gruppen unter Beweis zu stellen. In solchen Zusammenhängen glänzt sie mit hervorragendem Gehör und der Gabe, Patterns zu gestalten, die ihre Mitmusikerinnen komplementieren und in neue Höhen treiben. Nicht ohne Grund haben Visionärinnen wie Nicole Mitchell, Roscoe Mitchell und Anthony Braxton ihr stets einen besonderen Platz in ihren Projekten eingeräumt. Sie spielt gleichsam in wechselnden Kollektiven wie Artifacts (mit Mitchell und Drummer Mike Reid) und dem Streichtrio Hear in Now (mit dem Geiger Mazz Swift und der Bassistin Silvia Bolognesi). 2018 war Tomeka Reid bereits als Instrumentalistin mit dem Exploding Star Orchestra, Nicole Mitchell’s Black Earth Ensemble und dem Art Ensemble of Chicago beim Jazzfest Berlin zu erleben. Ihre eigenen Qualitäten als Bandleaderin sind aber unmöglich zu übersehen, vor allem seit dem kontinuierlichen Aufstieg des Tomeka Reid Quartet, dem ihr kompositorisches Können strahlend zur Geltung kommt und das in diesem Jahr erstmals in Berlin zu erleben ist. 2019 veröffentlichte die Band ihr umwerfendes zweites Album „Old New“. Der Titel deutet bereits auf Reids starkes Traditionsverbundenheit trotz eines weit in die Zukunft blickenden Konzepts hin. Das Album legt gleichermaßen ihre Entwicklung als Komponistin wie auch die sich stets aufs Neue entfachenden Synergieeffekte innerhalb eines Quartetts aus absoluten Ausnahmemusikerinnen offen. Mit dabei sind Bassist Jason Roebke, Schlagzeuger Tomas Fujiwara und die mehrfach preisgekrönte Gitarristin Mary Halvorson, die als Artist in Residence bereits das Jazzfest Berlin 2018 prägte. Ihre Stücke beziehen sich allesamt auf klassische Formen und dennoch klingen sie vollkommen frisch. Herausragend und unverwechselbar sind Reids holziges, swingendes Cello und Halvorsons effektvolle, klare Gitarre. Die Musiker*innen verfügen über eine beinahe übernatürliche Fähigkeit, die Gesten und Phrasen der anderen vorauszuahnen. Tomeka Reid klang noch nie selbstbewusster und offensiver als Solistin, ohne dabei ihre tiefe Hingabe für das übergeordnete Kollektiv aufzugeben.

Tomeka Reid cello
Mary Halvorson guitar
Jason Roebke bass
Tomas Fujiwara drums

Live auf der Bühne in Berlin

Jim Black Trio
Unterschiedlichste Formationen hat der Schlagzeuger Jim Black über die Jahre geleitet, doch keine ist fesselnder als sein Trio mit dem österreichischen Pianisten Elias Stemeseder und dem New Yorker Bassisten Thomas Morgan. „Reckon“, das letzte Album der Band, bot einen aufregenden Paradigmenwechsel – es entstand aus gemeinsamen Proberaum-Improvisationen und -Kompositionen. Blacks treibendes und dennoch sehr freies Spiel testet immer wieder die Grenzen des geschriebenen Materials aus. Die frenetischen Stücke zeigen eine schlanke Klarheit in jeder einzelnen Linie und versetzen dennoch den Puls ins Rasen, weil jedes Element mit seinem aus dem Lot geratenen Schub neue Reibung erzeugt. Pianist Elias Stemeseder wechselt zwischen geschmeidiger Melodik und mosaikartiger Komplexität. Mit seinen zackigen Kontrapunkten und seinem einfallsreich präparierten Klavier wirkt er als Gegenstück zu Jim Black. So kann das Trio genügsam in lyrischer Schönheit baden oder musikalische Spannungen zwischen fragilen Melodien und fragmentarischen, bisweilen frenetischen Rhythmen auskosten. Vor zwei Jahren ist der New Yorker Black nach Berlin gezogen und musikalisch bereits fest verwurzelt in der Stadt. Den Bass übernimmt beim Jazzfest Berlin mit Felix Henkelhausen statt Thomas Morgan ein vielversprechendes Talent der jüngeren Berliner Szene.

Jim Black drums
Elias Stemeseder keys
Felix Henkelhausen bass

Diese Konzerte sind Teil von Jazzfest Berlin – New York

https://www.berlinerfestspiele.de/de/berliner-festspiele/programm/bfs-gesamtprogramm/programmdetail_328244.html

  • silent green Kulturquartier
  • Gerichtstr. 35, Berlin
  • Ticketpreis: 15 € / ermäßigt 12 €