Adil Razali
Mo, 20/04/2020, 20:00 Uhr
Konzert / Performance

II. Spectrum Concerts Berlin 32. Saison 2020


Konzert zu Ehren von URSULA MAMLOK

Der Kern: Brahms und die deutsch-amerikanische Brücke
Aus einer späten Begegnung wurde ein herzliches Verhältnis. 2006 zog die Komponistin Ursula Mamlok nach 66 Jahren Leben und Wirken in New York in eine Berliner Seniorenresidenz. Die 83-Jährige wagte den Schritt in ein neues Leben, weil ihre Werke zunehmend Resonanz in Deutschland fanden, während die kulturellen Krisen in den USA die Szene der Neuen Musik, zu der sie sich zählte, stark belasteten und einschränkten. In Berlin wurde sie 1923 geboren, in Berlin verbrachte sie die ersten 16 Lebensjahre, ehe sie, buchstäblich in letzter Minute, im Februar 1939 mit ihren Eltern emigrieren und der NS-Verfolgung entkommen konnte. Mit ihrem Leben und Werk gibt sie ein Beispiel für die transatlantische Brücke, die durch politische Gewalt als Flucht- und Rettungsweg erzwungen wurde, und die in den Nachkriegsjahrzehnten die Chancen zu einer gegenseitigen kulturellen Stärkung aufleuchten ließ. Am 1. Februar 2013, ihrem 90. Geburtstag, gaben die Spectrum Concerts Berlin zu ihren Ehren ein Konzert; ihre (zum Teil ganz neuen) Werke standen dabei im Mittelpunkt.

Das Spectrum Concert am 20. April 2020 ist ebenfalls Ursula Mamlok gewidmet. Ihre Werke werden in beziehungsvolle Nachbarschaft gestellt. 1940, als sich ihr Wunsch, die USA zu erreichen und dort weiter Musik studieren zu können, überraschend erfüllte, geriet in Europa ihr 14 Jahre älterer Kollege Olivier Messiaen in deutsche Kriegsgefangenschaft; neun Monate lang war er im Stammlager VIII A bei Görlitz interniert. Dort komponierte er mit dem Quartett auf das Ende der Zeit eines seiner besonders ergreifenden Werke. Ursula Mamlok teilte seine visionäre Spiritualität ganz und gar nicht; dennoch kommen manche ihrer Werke der Klanggestik des französischen Meisters recht nahe.

Hätte Arnold Schönberg 1933 das Bild von Brahms, dem Konservativen, nicht gründlich zurechtgerückt, dann hätte Ursula Mamlok einen Essay über Brahms, den Fortschrittlichen schreiben müssen. Denn Brahms war und blieb für sie besonders mit seinem konzentrierten Spätwerk, zu dem auch das Klarinettenquintett gehört, so etwas wie ein musikalisches Gewissen: Die relative Kürze ihrer Kompositionen rührt unter anderem daher, dass sie – nach Brahms’ Vorbild – keine Note zu viel schreiben wollte. Die Liebe zu Brahms teilte sie mit den Spectrum Concerts Berlin. In den Spectrum-Programmen ist er der bevorzugte klassisch-romantische Komponist. Die Sextette, in die er sehr viel Persönliches hineingeheimnisste, haben durch Spectrum-Musiker(innen) immer wieder fesselnde Interpretationen erfahren. Sie stehen am 15. Juni auf dem Programm.

  • Ursula MAMLOK: »Breezes«
  • Ursula MAMLOK: »Confluences«
  • Olivier MESSIAEN: »Quatuor pour la fin du temps«
  • Johannes BRAHMS: »Quintett op. 115«

Mitglieder des Spectrum Ensembles

Boris Brovtsyn, Violine
Julia-Maria Kretz, Violine
Gareth Lubbe, Viola
Jens Peter Maintz, Violoncello
Thorsten Johanns, Klarinette
Jacob Katsnelson, Klavier

www.spectrumconcerts.com

  • Einführung: Konzerteinführung mit Habakuk Traber um 19.30 Uhr im Saal
  • Dauer: 2:00h, Pausen: 20 Minuten
  • Bemerkungen zum Datum und Uhrzeit: Montag
  • Philharmonie, Kammermusiksaal
  • Herbert-von-Karajan-Str. 1, Berlin
  • Bemerkungen zum Ort: Too many seats
  • Ticketpreis: 15 bis 45 Euro
  • Kartenvorbestellung: https://www.ticketmaster.de/artist/spectrum-concerts-berlin-tickets/858965
  • Ticketverkauf