Fr, 01/11/2019, 22:30 Uhr
Konzert

Late Night Lab 1: Kaos Puls / Moskus Trio / Mopcut


Jazzfest Berlin

Late Night Lab
Creation

Jazz und improvisierte Musik setzen nicht nur auf Gemeinschaftssinn, sie sind geradezu darauf angewiesen. Etablierte Bands bilden zwar durchaus kleine, eigenständige Gemeinschaften für sich, aber erst in der Improvisationskultur konnten sich zahllose Musikerinnen zu einer wahrlich globalen Community zusammenfinden und – in ihrer geteilten Fähigkeit zuzuhören, zu reagieren und miteinander zu kommunizieren – Klang als genuine Lingua franca entdecken. Das Format der Late Night Labs bietet eine Plattform für interdisziplinäre Zusammenarbeit und präsentiert am Freitag drei bestehende, eigenständige Trios: Kaos Puls, Mopcut und Moskus. Während dieser Begegnung werden die Musikerinnen in stets wechselnden Formationen für ca. 100 Minuten die Arenabühne des diesjährigen Jazzfests bespielen. Alle drei Gruppen am Freitag haben ihre jeweils eigene, unverwechselbare Identität und werden diese während der Performance auch präsentieren. Der eigentliche Fokus liegt aber darauf, zu sehen, was geschieht, wenn es zu musikalischen Kollisionen und Überschneidungen kommt.

Kaos Puls
Der schwedische, in Berlin ansässige Bassist und Produzent Petter Eldh geht mit seinem außergewöhnlich vielseitigen Musikverständnis unerwartete Verbindungen zwischen den Genres ein, die Spaß machen, hart einschlagen und faszinierende Einblicke in den musikalischen Prozess bieten. Eldh ist ein zentraler musikalischer Partner des britischen Pianisten Django Bates und Eckpfeiler des explosiven Klaviertrios Punkt.Vrt.Plastik mit Pianistin Kaja Draksler und Schlagzeuger Christian Lillinger, das beim Jazzfest Berlin 2017 zu erleben war. Bei diesem neuen Trio aus Petter Eldh, dem schwedischen Saxofonisten Otis Sandsjö und dem österreichischen Schlagzeuger und Multiinstrumentalisten Lukas König trifft spannungsgeladene Improvisation auf schlanke Grooves – weitreichend inspiriert von innovativen Produktionen von Musiker*innen wie Jameszoo und J Dilla. Ähnliches Terrain betrat Petter Eldh bereits als Bassist und Produzent von Sandsjös großartigem Debütalbum „Y-OTIS“ aus dem Jahr 2018 und als musikalischer Architekt des Quintetts Koma Saxo. Die drei Musiker von Kaos Puls stellen jedoch ganz den Beat in den Mittelpunkt, während sie entfesselte Improvisationen aus tanzbaren Rhythmen hervorgehen lassen – und erschließen den Club auf diese Weise als neues musikalisches Experimentierfeld.

Moskus Trio
Deutschlandpremiere

Seit ihrem Debütalbum im Jahr 2012 unterwandert diese lebhafte, reiselustige Gruppe aus Norwegen spielerisch den klassischen Klaviertrio-Sound und potenziert ihre Improvisationslust mit leidenschaftlicher Spielfreude. Die Grooves von Schlagzeuger Hans Hulbækmo (Atomic) und Bassist Frederik Luhr Dietrichson dehnen sich aus, stottern und swingen, passen sich ganz organisch den expandierenden Strukturen ihrer kernigen Kompositionen an. Gleichzeitig bedient die Pianistin Anja Lauvdal ein stetig wachsendes Arsenal an Instrumenten, mit denen sie reduzierte melodische Phrasen und prägnante narrative Linien formt. Das akustische Klavier ist zwar weiterhin ein wichtiges Element ihres musikalischen Repertoires, aber sie lässt nun auch die aus dem Pop inspirierten Synthesizer-Patterns, die sie in ihrem Duo Skrap erprobt hat, in die Klangwelt von Moskus einfließen. „Mirakler“, das jüngste Album der Gruppe und lyrischer Kontrapunkt im freitägigen Late Night Lab zu Mopcuts schrill-lauter Soundattacke, löst sich in seiner Klangfarbe mutig aus der Jazzorthodoxie und kombiniert die Plastizität der Elektronik mit einfachen Klängen von Flöte oder Singender Säge. Die ausgeklügelte Kommunikation des Trios kommt vor allem in Momenten des spontanen Zusammenspiels zum Vorschein: ein klarer innerer Austausch in einer durch und durch heutigen Klangsprache.

Mopcut
Deutschlandpremiere

Auf ihrem kürzlich erschienenen Debütalbum „Accelerated Frames of Reference” warten Mopcut mit einem brodelnden, treibenden Klanggemisch auf, in dem elektronische Sounds, schneidende Noise-Elemente und sprunghafte Grooves eine spannungsgeladene Verbindung mit den stimmlichen Abstraktionen der in Berlin lebenden Amerikanerin Audrey Chen eingehen. Zusammen bevorzugen der französische Gitarrist Julien Desprez und der österreichische Schlagzeuger und Synthesizer-Spieler Lukas König in ihrer schrill-lauten Attacke einen harten Improvisationsansatz, einen klanglichen Temperamentsausbruch, der die Luft peitscht und seine Gestalt unablässig verändert. Diese Mischung aus zerschrammtem Noise und Beats bietet Chen eine abwechslungsreiche Klanglandschaft, in der sie ihren extremen Untertongesang, ihren rituellen Kirchengesang und ihre jenseitigen Beschwörungen mit den Klängen ihrer Mitstreiter kollidieren lässt und geschickt verwebt. Die drei Musiker*innen arbeiten jeweils in verschiedenen Formationen (darunter Chens schon lange bestehendes Duo mit dem britischen Sänger Phil Minton, Desprez’ groß angelegtes Kollektiv Tournesol und Königs experimenteller Solo-Act Koenig), in Mopcut fanden sie jedoch zu einem tiefen gegenseitigen Verständnis.

Das Format der Late Night Labs bietet eine Plattform für interdisziplinäre Zusammenarbeit und präsentiert am Freitagabend drei bestehende, eigenständige Trios – Kaos Puls, Mopcut und Moskus –, die in stets wechselnden Formationen die Arenabühne des J

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