Andreas Bräutigam
So, 22/09/2019, 19:00 Uhr
Komponierte Musik / Konzert

ensemble unitedberlin "Eine Geste, ein Hauch, ein Kosmos"


Der Komponist Juro Mětšk

Am 1. Mai 2019 beging der Komponist Juro Mětšk seinen 65. Geburtstag - ein wichtiger Grund, das nachfolgend beschriebene Vorhaben anzugehen, das wir zwischen Mai und November 2019 in insgesamt drei Orten, darunter befinden sich die beiden wichtigsten Städte der sorbischen Region Bautzen und Cottbus, und natürlich in Berlin vorstellen möchten.
Seit Anbeginn unserer Ensembletätigkeit finden sich immer wieder Werke aus dem Schaffen Juro Mětšks in unseren Programmen. Begonnen hat diese Zusammenarbeit mit einem ersten Konzert am 13. September 1991 im Saal des Sorbischen Museums Bautzen, das jüngste fand ebenfalls dort statt: Am 17. Oktober 2015 spielten wir die Uraufführung seines Stücks STIGMA (ein Auftrag der Stiftung für das sorbische Volk), das - zumindest für mich - einen anderen, unerwartet neuen Juro Mětšk erscheinen lässt. Darüber hinaus hat ensemble unitedberlin zwei Personal-CDs mit seinen Werken produziert.
Juro Mětšks Neigung zu den tiefsten Klängen der Instrumentengruppen entspricht der von ihm gefühlten Tiefe seiner Wurzeln im Sorbentum. Offensichtlich graben diese sich immer weiter ins Erdreich hinein - da braucht es schon einiger Kraftanstrengungen, die Blüten ans Tageslicht zu holen; denn das ist ihm nicht gegeben, um beim Beispiel der Pflanze zu bleiben: sich narzisstisch zu zeigen, zu blenden, das „Geschäft" selbst in die Hand zu nehmen, wie es eigentlich erforderlich wäre, um im Mainstream nicht unterzugehen.
Vielleicht ist diese persönliche Eigenschaft auch der Grund für die enge Beziehung unseres Ensembles mit diesem außergewöhnlichen Komponisten. Außergewöhnlich, weil seine Herkunft aus der kleinsten slawischen Nation und die Verbundenheit mit ihr sein Arbeiten bis heute beeinflussen. In einer Art, wie man sie selten findet: als Lebensmittelpunkt bleiben die Region und ihre Menschen für ihn offensichtlich die wichtigsten Dimensionen in seinem Leben und Schaffen.
Im vergangenen Herbst wurde Juro Mětšk als erstem sorbischen Komponisten der Ćišinski-Preis verliehen. Die Laudatio hielt Sebastian Elikowski-Winkler.
Die Grundidee für das Konzert ist ein Programm, das natürlich den Jubilar präsentiert, aber auch die künstlerischen Wurzeln seines Schaffens offenlegt. Dazu ist vor allem die Zweite Wiener Schule zu zählen, hier mit Anton Webern, einem ihrer bedeutendsten Vertreter. Und mit einem Auftragswerk an Sebastian Elikowski-Winkler, das nicht unbedingt den Charakter einer „Hommage à Juro Mětšk“ tragen, sich aber dennoch an das Thema des Konzerts anlehnen wird, soll die nachfolgende Komponistengeneration vertreten sein - um auch einen Ausblick aus dieser Perspektive zu ermöglichen.
Für mich ist es eine Herausforderung und zugleich eine Herzensangelegenheit, das Werk von Juro Mětšk regional wie auch überregional bekannter als bisher zu machen! Überdies planen wir die Produktion einer dritten Personal-CD mit den bisher noch nicht eingespielten Werken.
(Andreas Bräutigam)

  • Juro Mětšk: »SESTETTO« (1982)
  • Anton Webern: »Quartett op.22« (1930)
  • Juro Mětšk: »SYNDROM« (1990)
  • Sebastian Elikowski-Winkler: »wušywanje« (2019)
  • Juro Mětšk: »STIGMA« (2014)

ensemble unitedberlin

Erich Wagner, Leitung, Dirigent

Juro Mětšk, ein außergewöhnlicher Komponist, stammend aus der kleinsten slawischen Nation. Im vergangenen Herbst wurde Juro Mětšk als erstem sorbischen Komponisten der Ćišinski-Preis verliehen. Die Laudatio hielt Sebastian Elikowski-Winkler.

  • Einführung: 19:00 "Eine Geste, ein Hauch, ein Kosmos" - Ein Dokumentarfilm von Roman Pernack und Martin Zawadzki (2018)
  • Dauer: 00:30h, Pausen: 20:00 Konzert
  • Bemerkungen zum Datum und Uhrzeit: 19.00 Filmvorführung, 20.00 Konzert
  • Villa Elisabeth
  • Invalidenstraße 3, Berlin