Nist-Nah (c) Alexia Touissant, Pak Yan Lau (c) Laurent Orseau
Sa, 10/09/2022, 19:30 Uhr
Improvisation / Komponierte Musik / Konzert

Kontraklang


Nist-Nah | Bakunawa

Die Gamelan-Tradition aus Indonesien wirkt schon seit dem späten 19. Jahrhunderts eine enorme Faszination auf das Musikschaffen in westlichen Kulturen aus. Von Debussy’s Kompositionen zur Weltausstellung 1889 über Werke von Steve Reich oder Claude Vivier, die durch Indonesienreisen beeinflusst wurden, bis hin zu Polyrhythmen und erweiterter Perkussion bei Aphex Twin oder Godspeed You! Black Emperor. Die Avantgarde der letzten hundert Jahre ist ohne Gamelan nicht denkbar. KONTRAKLANG präsentiert im September zwei aktuelle europäische Ensembles, die sich in ihrer Musik explizit auf Gamelan beziehen.

Das Ensemble Nist-Nah wurde 2020 gegründet. Das neunköpfige Ensemble wird angeführt vom australischen Drummer und Komponisten Will Guthrie und ist im französischen Nantes beheimatet. Alle Musikerinnen der Gruppe sind alle für sich herausragende Expertinnen im Gebiet von traditionellem Gamelan, zeitgenössischer Komposition, Noise, Jazz und allem, was dazwischen liegt. Nist-Nah performt mit Drum Kits, herkömmlicher und Junk-Perkussion sowie einem kompletten Set javanischer Gamelan-Instrumente.
Die Musik von Nist-Nah distanziert sich dabei deutlich von trockenem akademischem Diskurs oder einem fragwürdigen Exotismus. Vielmehr stehen klangliche Fragen im Vordergrund: hier werden mal schnelle arpeggierte Figuren von einem manisch geschäftigen Schlagzeug angetrieben, während melodische Linien in Zeitlupe darüber schweben. Dann werden in abrupten Tempowechseln, fragmentierten Unisono-Passagen und monumentalen Grooves Einflüsse von balinesischem Kecak, Ornette Coleman, javanischer Hofmusik und Miles Davis’ Dark Magus hörbar.

Mehr Hände. Mehr Möglichkeiten. Mehr Drones. Mehr Polyrhythmen. Mehr Spaß. Das war der Ausgangspunkt und die Idee für Bakunawa, die die Komponistin Pak Yan Lau mit ihrem frisch gegründeten Ensemble, bestehend aus den Musikerinnen Vera Cavallin, Giovanni Di Domenico, João Lobo und Theo Lanau realisiert. Die Musikerinnen tauchen tief in das Klangspektrum von verstimmten Spielzeugklavieren, abgenutzen Gongstäben, präparierten Harfen, Metallröhren und Ringmodulatoren ein. Reiche harmonische Texturen von eher unkonventionellen Instrumenten formen einen eindringlichen Klangeindruck mit fesselnden mikrotonalen Details. Die zugrundeliegenden Rhythmen bewegen sich in gespenstischen Mustern bewegen und sind von der philippinischen Mythologie inspiriert, in der der mondverschlingende Seedrache Bakunawa durch lautes Trommeln auf Töpfe und Pfannen verscheucht wurde.

Ensemble Nist-Nah

Prune Bécheau, Gamelan, Perkussion
Charles Dubois, Gamelan, Perkussion
Thibault Florent, Gamelan, Perkussion
Will Guthrie, Gamelan, Perkussion
Amélie Grould, Gamelan, Perkussion
Mark Lockett, Gamelan, Perkussion
Sven Michel, Gamelan, Perkussion
Lucas Pizzini, Gamelan, Perkussion
Arno Tukiman, Gamelan, Perkussion

Bakunawa Ensemble

Vera Cavallin, Perkussion, präparierte Harfe
Giovanni Di Domenico, Perkussion, Toy Piano
João Lobo, Perkussion, Toy Piano
Theo Lanau, Perkussion, Toy Piano

http://www.kontraklang.de

  • St. Elisabeth-Kirche
  • Invalidenstr. 3, Berlin
  • Barrierefreiheit: Sehbehinderung und Blindheit / motorische Einschränkungen / kognitive Einschränkungen
  • Ticketpreis: 15 / 12 Euro