Julia Reidy – How to Spot a Rip (Tokuroku, digital)

Über das Digital-Label Tokuroku veröffentlichte das Café Oto über die Pandemie hinweg exklusive Aufnahmen einer Vielzahl von Musiker*innen, um Geld für sie sowohl wie auch das Londoner Veranstaltungszentrum selbst zu sammeln. Einer der letzten Beiträge kam von der in Berlin lebenden Gitarristin Julia Reidy, die auf »How to Spot a Rip« auf indirekte Art ihre australische Herkunft verarbeitet: Es geht um Ripp- beziehungsweise Brandungsrückströme, wie sie vor allem in Surfgebieten und an Stränden immer wieder für gefährliche Unfälle sorgen. »When many different currents are pulling in different directions, a rippling effect is created on the water's surface«, erklärt Reidy im Begleitschreiben zu ihrem 16 Minuten langen Stück, das mit vier unverstärkten E-Gitarren durch Änderungen in der Stimmung der Saiten die physikalischen Bewegungen in den tonalen Raum übertragen. Konzeptionell erinnert das bisweilen an Alvin Lucier und auch die Umsetzung dieser simplen Idee mit all ihren komplexen Resultaten bedingt eine ähnliche Hörerfahrung – sanft und langsam wird das Ohr durch die verschiedensten Zustände geführt.