Sarah Davachi – Antiphonals (Late Music, LP/CD/MC/digital)

Sarah Davachi ist sehr schnell darin, langsame Musik zu komponieren. »Antiphonals« ist ihr sage und schreibe 17. Solo-Album seit dem Jahr 2013. Beeindruckender noch ist vielleicht, dass die US-amerikanische Komponistin dafür wirklich alles selbst eingespielt und aufgenommen hat. Im Zentrum steht ein Mellotron, das mit Klängen verschiedener Instrumenten aus dem klassischen Orchesterfundus arbeitet, aber auch elektrische und akustische Orgeln, Synthesizer, Klavier, Gitarre, Streicher und Davachis eigene Stimme. Geschuldet ist das wohl aber weniger der Entstehungszeit des Albums zwischen Februar und Dezember des Pandemiejahres 2020, sondern eher Davachis Versuch, verschiedene Techniken aus ihrer Aufführungspraxis und ihrem Studioalltag proaktiv miteinander zu vereinen. Tatsächlich wirkt »Antiphonals« auch lebendiger im Sinne von live als viele andere Aufnahmen aus dem beeindruckenden Backkatalog der Komponistin. Ein Rauschen durchzieht die getragenen Stücke, die primär einem minimalistischen Drone-Ansatz verschrieben sind und aber auch repetitiven Strukturen und seltener klassischen Melodien und Harmonien Platz einräumen. In seiner Gänze konzipiert »Antiphonals« ein akustisches Kippspiel zwischen klanglicher Präsenz und einer Atmosphäre der Entrückung.