Petr Kotik – The Plains at Gordium, performed by Talujon (Unseen Worlds, LP/CD/digital)

Petr Kotik ist der Begründer und Leiter des S.E.M. Ensemble, das in rund einem halben Jahrhundert mit Interpretationen verschiedener Werke von unter anderem John Cage, Morton Feldman oder zuletzt Alvin Lucier brillierte. Kotiks Schaffen als Komponist wurde allerdings bisher nur selten gewürdigt. »The Plains at Gordium« holt dieses Versäumnis nach. Die auf dem Label Unseen Worlds veröffentlichte Aufnahme wurde vom New Yorker Percussion-Ensemble Talujon eingespielt und basiert auf einer Komposition aus dem Jahr 2004, reiht sich aber in eine seit Jahrzehnten laufende Serie von Kompositionen Kotiks ein, die alle von einem steten Puls charakterisiert werden. Über knapp 54 Minuten – 108 stolze Seiten umfasst die Partitur – lassen die sechs Perkussionist*innen von Talujon diesen Puls in verschiedenen Tempi unterschiedliche Dynamiken durchlaufen, fügen den scheinbar repetitiven Strukturen des Stücks immer wieder neue Akzente und Wendungen hinzu. Ein unentwirrbarer gordischer Knoten, wie er in Anlehnung an eine berühmte Anekdote über Alexander den Großen Kotik zum Titel des Stücks inspirierte, wird daraus allerdings nicht. Sondern vielmehr eine sorgsam in all ihren Facetten ausgespielte Langkomposition, die ihrem Publikum viel Zeit lässt, sich auf die tonalen und rhythmischen Qualitäten der Instrumente einzulassen.