Amelia Cuni – Parampara Festival 13.3.1992 (Black Truffle, LP/digital)

Oren Ambarchi beschenkt sein Publikum weiterhin mit einigen echten, nun ja, musikalischen Trüffeln. Nächsten Monat erscheinen mit »Becoming Air / Into The Vanishing Point« gleich zwei neue Werke von Annea Lockwood über sein Label Black Truffle, nachdem er uns in diesem Monat bereits mit einer längst überfälligen (und mittlerweile schon ausverkauften) Neuauflage von »Fiori Chiari, Fiori Oscuri« von Alvin Curran beglückt hat. Dazu gesellt sich nun eine seltene Live-Aufnahme von Amelia Cuni. Die in Mailand geborene Wahlberlinerin verbrachte zehn Jahre in Indien und beschäftigte sich dort intensiv mit klassischer indischer Musik, vor allem der hindustanischen Dhrupad-Tradition. Auf dem Mitschnitt eines Konzerts im Berliner Haus der Kulturen der Welt steht deshalb auch ihr Gesang im Vordergrund. Zu den Klängen von Gianni Ricchizzis Spiel der Vichitra Vina und ihrer eigenen Tanpura interpretiert Cuni mit dem »Raag Bageshri« erst eine klassische Komposition neu, bevor sie auf »Devino Amor« den Text des Franziskanermönchs Jacopone da Todi mit traditionellen Ragas zusammenbringt. Für den krönenden Abschluss gesellte sich Helmut Waibl an der Pakhawaj zu Cuni und Ricchizzi, um mit seinem Spiel das karnatische »Raag Shahana Kanada« rhythmisch zu erden. Gleichermaßen traditionsbewusst wie freiförmig, ist diese Aufnahme knapp drei Jahrzehnte nach der eigentlichen Performance weiterhin ungemein stimulierend.

https://cunidurand.bandcamp.com/album/parampara-festival-1331992