Kate Carr – dawn, always new, often superb, inaugurates the return of the everyday (Bandcamp, digital)

Kate Carr war schon immer eine gute Zuhörerin. Seit knapp anderthalb Jahrzehnten untersucht die Britin die wechselseitigen Beziehungen zwischen dem menschlichen Leben im urbanen Raum und den politischen Diskursen, die sich in den Klangqualitäten des Alltags zum Ausdruck bringen. Ihr neues im Selbstverlag veröffentlichtes Album »dawn, always new, often superb, inaugurates the return of the everyday« leiht sich diesen Titel schließlich auch von Henri Lefebvres Klassiker »Rythmanalyse« und zoomt ausgerüstet mit Geophon und Kontaktmikro auf das Treiben rund um einen Londoner Verkehrsknotenpunkt, den Bricklayers Arms Roundabout. Carr dokumentiert in ihren von verhaltenen Rhythmen durchzogenen Stücken dessen Umdeutung in Zeiten des Brexit und der Pandemie genauso, wie sie das Ausgangsmaterial abstrahiert. Ihre gesammelten Field Recordings werden keineswegs naturalistisch eingebunden, sondern manipuliert, in Verbindung miteinander und noch anderen Klängen gesetzt. Am Ende steht ein musikalisches Porträt von Bewegung, Stillstand und allem dazwischen.