Releases des Monats Juni 2021

Die Temperaturen sind gestiegen und mit ihnen die Stimmung. Konzerte sind wieder möglich, selbst das Tanzverbot wurde aufgehoben! Endlich wieder Normalität. Was auch immer das heißt. Oder besser gesagt: Für wen auch immer das gilt. Denn wie schon der Blick über den Ärmelkanal zeigt, dass die Freude über den lang ersehnten Neuanfang schnell verpuffen kann, so offenbart sich im Großen und Ganzen, dass diese Pandemie keineswegs ausgestanden ist.

Welche Auswirkungen das vor allem auf transkulturelle Projekte hat, lässt sich an den »Beethoven Eastern Variations« nachvollziehen. Das von Ulrich Mertin und Varun Desai geleitete Projekt sollte in der Zusammenarbeit der Goethe-Institute in Istanbul und Kolkata zum 250. Geburtstag des Komponisten dessen 7. Symphonie neu interpretieren – und zwar auf den Instrumenten der klassischen türkischen und indischen Musik. Erschienen ist nun aber erst vor Kurzem und statt einer Neuinterpretation der kompletten Symphonie auf Schallplatte, CD oder als Digital-Release wurde das Projekt aus offensichtlichen Gründen auf deren zweiten Satz beschränkt. Die daraus resultierende Videoarbeit ist dennoch musikalisch wie visuell ungemein eindrucksvoll geworden. Nicht zuletzt unterstreicht sie in prekären Zeiten, wie wichtig Kultur als soziales Bindemittel doch ist – diesen Kuss der ganzen Welt!

Desai und der bei den »Beethoven Eastern Variations« beteiligte Kontrabassist Debjit Mahalanobis sind ebenfalls Teil der deutsch-indischen Gruppe Hotel Kali. Deren ebenfalls vom Goethe-Institut ermöglichtes Debütalbum erschien auf dem Label ANTIME, das von field-notes-Redakteur Kristoffer Cornils mitbetrieben wird. Der Social-Media-Magier des Magazins, Fillipp Vingerhoets, hat als Mitbegründer von Bohemian Drips derweil eine ortsspezifische Arbeit von Axel Dörner & Richard Scott veröffentlicht. A Journal of Elasticity wurde im Jahr 2017 im Wasserturm im Prenzlauer Berg als Teil von Speicher – Festival for Site-Specific Music aufgenommen. In der Auftragsarbeit wird der Raum zum musikalisch-klanglichen Komplizen der beiden.

Darum schließlich geht es jetzt mehr denn je: Verbindungen zu schaffen, Zusammenhalt zu stärken und die eigenen Möglichkeiten kollektiv zu erweitern.