Bericht von Erik Drescher

Ich will weniger über das Negative sprechen, was uns mit der Corona-Krise verbindet, da – ich sagte es, dass es verbindet – alle Ähnliches berichten. So – wie es uns allen so ergeht, so sind auch mir sämtliche Konzerte weggebrochen. Das ist ein finanzielles Dilemma – auch die Psyche muss sich darauf einstellen, nicht mehr akutes zu üben oder gar zu proben. Das lerne ich aber. Jetzt übe ich die Dinge, die sonst auf der Strecke bleiben. Einerseits Stücke, für die keine Zeit, keine Notwendigkeit ist, oder wiedermal Technik, wie z.B. Vierteltonskalen mit meiner Kingma-System-Quartertone-Flute, oder mit der Glissandoflöte Multiphonics checken. Das ist das eine. Neben einer Schockstarre, aus der ich erwache oder schon erwachte, versuche ich das Positive rauszuziehen. Zu sich zu kommen – anderes Üben, mehr Lesen – oder einfach mit Menschen sein, sich um Menschen kümmern! Klingt lustig in dieser Zeit. Nein doch, einerseits mit Freunden telefonieren – und da lebe ich im Luxus, mit der Familie zu sein. Sich vor allem um seinen Sohn kümmern. Und das ist toll. Es war auch vorher toll, keine Frage. Aber ich merke, daß er viel ausgeglichener ist. Zum einen weil seine Eltern immer da sind. Schule ist aus. Außer dass er Schulfreunde vermisst, vermisst er sie gar nicht und seine Mutter ist eine gute Lehrerin, wie sich herausstellt – er hat wieder Freude am Lernen.

So noch etwas Positives: ich erfahre Solidarität. Ich habe das Glück eine tolle Hausgemeinschaft hier im Wedding zu haben. Meine Nachbarn waren auch schon vor Corona toll und hilfsbereit – also keine Änderung – und wir haben einen riesengroßen Garten, zusammengelegt von 3 Häusern – Paradies für meinen Sohn. Und für mich. Und überraschende Solidarität von gleich zwei Persönlichkeiten der Neuen Musik erfahren, indem sie mir finanzielle Hilfe zusagten, obwohl sie nicht wissen, dass ich nichts von der Corona-Hilfe I bekommen habe, weil mein Antrag zu spät war, und mir dann vom Bund nichts zusteht. Das ist ein gutes Gefühl.

Ich mag auf eine Weise eine Entschleunigung, ob ich diese Art der Entschleunigung mag, weiß ich noch nicht. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich schon ein wenig Angst, was es aus der Gesellschaft danach machen wird. Man könnte Positive Erkenntnisse rausziehen, aber wenn Politiker*innen davon reden, es wird nichts mehr sein wie vorher, klingt es eher wie eine Drohung oder Androhung.

Nun habe ich Euch ein wenig etwas vorgekocht, neben meinem Sohn, der Flöte auch eine Leidenschaft. Da es schnell gehen musste, ein Alltagsessen, eine einfache Pasta.

Luki, mein Sohn, roch gerade die Pasta – »uuuuuoooooh, was ist das? Das riecht soooo lecker. Ich will. Mein Papa macht die besten Nudeln«..... :))))))

Rezept um glücklich zu Hause sein zu können:

Eriks Pasta Boscaiola

Pasta
Olivenöl
2-3 Knoblauchzehen, gehackt
2 Zwiebeln, gehackt
Handvoll Champignons (200-300g), oder auch Pilze gemischt, geteilt oder geviertelt
125 g Schinkenspeck, gewürfelt
kleine Handvoll Cherrytomaten
200 ml Sahne
Schuss Weißwein
3 Zweige Thymian
Petersilienstängerl
Petersilie, gehackt

Pfanne mit Olivenöl erhitzen. Fast gleichzeitig, aber in dieser Reihenfolge, Zwiebeln, Schinkenspeck, Champignons, Knoblauch anbraten.
Mit Weißwein ablöschen. Thymian und Petersilienstängerl hinzugeben, dann die Cherrytomaten und die Sahne.
Pfeffern, salzen.
Aufkochen lassen und ziehen lassen.
Wenn die Pasta al dente fertig gekocht ist, abtropfen und zusammen mit der Petersilie in die Soße unterheben. Vorher besser noch den Thymian und die Petersilienstängerl entfernen.
Dazu Parmesan reichen.

Buon Appetito

Erik Drescher, 18. April 2020