Positionen – Bericht des Redaktionsteams

Wir freuen uns, dass so viele Leser*innen derzeit Lust haben, ein Musikmagazin zu lesen! Es ist spannend, wie sich in dieser die Dinge umwälzenden Zeit tradierte Strukturen besonders zeigen und vielleicht, durch den Wegfall einiger aktiver Elemente oder Player, nochmal deutlicher wird, dass der oft marginalisierte Diskurs um Musik sowie die Musikkritik eine ziemlich relevante Rolle für die Gesamtwahrnehmung »Musik« spielt. Dann hat uns die kulturelle Begegnungsauszeit eine wunderbare, wahrscheinlich die bisher beste Redaktionsphase beschert: Alle Autor*innen sitzen, wie wir, zuhause fest, haben meist wenig zu tun gerade und freuen sich über die redigierten Texte, Anmerkungen und Verbesserungswünsche unsererseits. Das Maiheft wird also inhaltlich besonders gut und greift schon einige Aspekte der uns derzeit beschäftigenden Lebenswelt auf.

Die Krise hat aber natürlich auch eine Kehrseite. Kulturzeitschriften und Kritik sind Teile eines kulturellen Kreislaufs. Der oft unausgesprochene soziale Kontrakt, dass öffentlich finanzierte Festivals Anzeigen bei uns, einem frei finanzierten Musikmagazin ohne öffentlichem Geld, buchen und damit das Heft mitfinanzieren, könnte, wenn die Auszeit länger anhalten sollte, zum Problem werden. Wenn ein Umbruch wie jetzt passiert, werden alle Parteien in der Kette getroffen, obwohl uns ein bisschen verspätet, wie bei einem Dominoeffekt, wahrscheinlich erst mit der zweiten oder dritten Welle oder einem Nachbeben.

Aber wir sind optimistisch: Unsere Leser*innen sind bei uns geblieben. Darüber freuen wir uns sehr. Und wir hoffen, dass sich insbesondere die großen Festivals solidarisch zeigen und trotzdem weiter für ihr Programm, sollte es auch erst 2021 sein, werben wollen.

Andreas Engström und Bastian Zimmermann 8. April 2020, Berlin / Stockholm

Das Video zum Bericht gibt es hier: www.youtube.com/watch?v=Hq4g0hTfR5s