Berliner Label-Steckbrief: Zarek

Nachdem er mit einigen etablierten Labels mehr schlechte als rechte Erfahrungen gemacht hatte, gründete Ignaz Schick Ende der neunziger Jahre kurzerhand sein eigenes.

»Es ging damals vor allem um meinen eigenen Output, aber auch um herausragende Musik von geschätzten Kolleg*innen der damals noch jungen Echtzeitmusikszene, die sich zu dieser Zeit ebenfalls schwer taten, ihre Arbeit publik zu machen«, fasst er seinen damaligen Ansatz mit Zarek zusammen.

Das hat bis heute Bestand. Die CD-Veröffentlichungen sind schlicht und elegant aufgemacht und die Musik darauf in jeder Hinsicht kompromisslos: Schick überlässt den Künstler*innen die völlige Entscheidungsfreiheit über die Musik. »Es geht bei Zarek nicht um Gewinn«, unterstreicht Schick seinen musiker*innenorientierten Ansatz. »Wenn ein Release seine Kosten wieder einspielt, ist das gut. Wenn aber nicht, macht es auch nichts.« Der Roster von Zarek rekrutiert sich hauptsächlich aus der Berliner Szene für Echtzeitmusik. Ein Fokus liegt auf experimenteller elektroakustischer Musik, doch gehören genauso ungewöhnliche Jazz- und New-Jazz-Veröffentlichungen zum Programm.

Der Turntablist und Saxofonist Schick ist häufig der Dreh- und Angelpunkt der über 30 Releases, immer wieder aber sind befreundete Musiker*innen mit ungewöhnlichen Solo- und Kollaborationsprojekten vertreten. Umso mehr seit dem Jahr 2020, in welchem Schick zur Feier des zwanzigjährigen Bestehens von Zarek in der Reihe ZORA 24 bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen von beispielsweise seinen Gruppe Perlonex und Cox Orange sowie gemeinsame Arbeiten mit dem The-Necks-Mitglied Chris Abrahams, der No-Input-Mixing-Legende Toshimaru Nakamura oder Flötistin Sabine Vogel und anderen über Bandcamp veröffentlichte. Dieses Jahr wird ganz im Zeichen von Circuit Training stehen, einer Initiative Schicks, für die er Musiker*innen aus unterschiedlichen Szenen zu Ensembles vereint, welche gemeinsam an den Kompositionen der einzelnen Mitglieder arbeiten und diese anschließend zur Aufführung bringen. Solange bleibt die Losung dieselbe wie damals, als Schick Zarek aus der Taufe hob: »Musikalisch und inhaltlich unabhängig bleiben und keine Kompromisse eingehen.«

Gegründet: 1998/1999

Sitz: Berlin

Betrieben von: Ignaz Schick

Künstler*innen: Chris Abrahams, Liz Allbee, Burkhard Beins, Andrea Belfi, Werner Dafeldecker, Margareth Kammerer, Toshimaru Nakamura, Andrea Neumann, Charlemagne Palestine, Keith Rowe, Sabine Vogel, Marta Zapparoli u.v.m.

Drei Anspieltipps: Andrea Ermke – Pike (2004), Ruby Ruby Ruby: Steve Heather, Margareth Kammerer, Derek Shirley – The Shadow of Your Smile (2009), Paul Lovens, Ignaz Schick, Clayton Thomas – Meeting the Past (2020)

Website: zarekberlin.bandcamp.com & https://zangimusic.wordpress.com/releases/