Daniel Ott: Opposite Editorial

Liebe Leser*innen,

der Mai steht für mich ganz im Zeichen der »Glänzenden Tage« am 8. Mai. Unter dem Motto »KUNST BLEIBT VIELE« engagieren sich verschiedene Veranstalter bundesweit für Diversität und gegen Ausgrenzung: www.dievielen.de

In welcher Form diese und weitere Veranstaltungen der kommenden Monate in Berlin stattfinden können, ist momentan (Anfang April) noch unklar. Die Menschheit unternimmt gerade nie dagewesene gemeinsame Anstrengungen, um die Ausbreitung DES Virus zu bremsen und sucht fieberhaft nach einem Impfstoff.

Ein zuverlässiger Impfstoff gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wird sich mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht finden lassen. Umso mehr sind wir als Kultur Schaffende aufgefordert, mit künstlerischen Mitteln das menschliche Immunsystem gegen die täglichen Angriffe auf die Menschenwürde und auf das Weltklima zu stützen.

Neugierig bin ich deshalb beispielsweise auf die Arbeit von Michelle Moura und Kaj Duncan David im Labor Sonor am 10. Mai in der KuLe, dem vor vielen Jahren mal besetzten Haus mit dem wunderschönen Namen »Kunst und Leben«. Oder auf Skizzen des griechischen Musiktheater-Pioniers Jani Christou aus den späten sechziger Jahren, die neulich entdeckt wurden und nun erstmals durch die Komponierenden Barblina Meierhans, Beat Furrer, Olga Neuwirth, Younghi Pagh-Paan, Samir Odeh-Tamimi und Christian Wolff ausgearbeitet werden, vom 5. bis 12. Juni in der Tischlerei – Deutsche Oper Berlin. Die »Werckmeister-Harmonien« von Thom Luz vom 19. bis 26. Juni in der Staatsoper Unter den Linden möchte ich ebenso wenig verpassen wie den 25. Juni im Exploratorium mit Fred Frith, Anil Eraslan, Tom Malmendier und Clara Weil.

Das Immunsystem weiter stärken wird hoffentlich das exzellente Ensemble Garage aus Köln beim Eröffnungsabend der HEROINES OF SOUND am 9. Juli gemeinsam mit Dorit Chrysler (Theremin) und Werken von Georgia Koumará, Neo Hülcker, Georgina Derbez Roque, Brigitta Muntendorf, Marty Sniady und Laurie Spiegel. Am 19. August werden mich »7 DEATHS OF MARIA CALLAS« von Marina Abramovic und Marko Nikodjevic in die Deutsche Oper locken, am 20. August ruft die singuhr zur Eröffnung der Klanginstallation von Sam Auinger und Hannes Strobl in die Halle am Berghain. Und vielleicht dürfen wir uns Ende August wieder dichtgedrängt und in grossen Gruppen zum Tanz im August einfinden, zum Beispiel zu »STORY STORY DIE« von Alan Lucien Øyen (29.- 31. August)im HAU 1: ich wünsche es uns allen!

Daniel Ott

Daniel Ott ist Komponist und Pianist. Seit 1995 unterrichtet er an der UdK Berlin Experimentelles Musiktheater und seit 2005 Komposition. Vom 14. bis 16. August vereinigen sich verschiedene Berliner Ensembles für Neue Musik zur Aufführung seiner Orchester-Komposition BERLIN WESTHAFEN – UMSCHLAGPLATZ KLANG – HAFENBECKEN l & ll (U / S Westhafen).

www.umschlagplatzklang.de