Nele Heinevetter: Opposite Editorial / field notes #15

Liebe Leser*innen,

im Winter müssen die Gründe das Haus zu verlassen für mich deutlich überzeugender ausfallen als zu anderen Jahreszeiten. Diese Lichtblicke sollten mich in den härtesten, weil kältesten, und dunkelsten Wochen in 2020 vor die Tür locken:

In den KW gibt es mit »Prepared Pianos from the Archivio Conz Collection« (16.–19.01.) nicht nur Klaviere aus der Sammlung von Francesco Conz zu erleben, die Künstler*innen wie Carolee Schneemann oder Nam June Paik bearbeitet haben, sondern auch Konzerte von Phillip Sollman und Konrad Sprenger (16.01.) sowie Charlemagne Palestine (17.01.). Die Clubnacht als Performance oder die Performance als Clubnacht – in der Säule haben die Zuschauer*innen teil an der mehrstündigen Tanzperformance »Dance is« von Frédéric Gies. Zum DJ-Set von Fiedel bewegt sich der Tänzer und Choreograph Stunde um Stunde über die Tanzfläche und zitiert dabei unterschiedlichste Stile und wegweisende Tänzer*innen wie Nijinski oder Isadora Duncan. Etwas ruhiger geht es im Wedding zu. In der beklemmenden Betonhalle von Silent Green, einem umgebauten Krematorium, können die Besucher*innen des CTM die mehrstündige Installation »Opus Mors« (02.02.) des dänischen Soundkünstlers Jacob Kirkegaard auf sich wirken lassen.
Angenehm verrückt klingt die Inszenierung »ODYSSEY: Dead Men Die« (30.01.–04.02.) des Opera Lab Berlin, das sowohl die Protagonist*innen seines Blockbuster-Musiktheaters wie auch das Publikum auf eine Irrfahrt durch die Räume des ehemaligen Stummfilmkinos Theater im Delphi schickt. Besonders freue ich mich auf die Ausstellung »Qt Ur Ea« von Mary-Audrey Ramirez und LUKAS8K in der Trauma Bar und Kino. In dem SciFi-Szenario, das der Logik von Open World Videospielen gehorcht, gehen Installation und Sound, Motion Capture und Permakultur und Tanz ineinander über. Am 14. Februar wird es eine Party geben, von Mary-Audrey, Lukas und dem TROPEZ, also Jemek und mir.

Viel Vergnügen wünscht

Nele Heinevetter

Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Nele Heinevetter weiht mit ihrer multidisziplinären Kulturagentur niche Berlin Kunst- und Architekturinteressierte in die kreativen Nischen Berlins ein. Derzeit betreibt sie zudem die Imbissbude TROPEZ im Sommerbad Humboldthain, die auf der einen Seite Pommes, Eis am Stiel, Frozé und auf der anderen Gruppenausstellungen, Performances, Lesungen und Konzerte serviert.