Sophie Aumüller: Opposite Editorial / field notes #11

Liebe Leser*innen,

jedes Jahr freue ich mich auf die MaerzMusik, dieses Jahr vielleicht ganz besonders, da vor zehn Jahren im Rahmen dieses Festivals der von mir geleitete Deutsch-Französisch-Schweizerische Fonds / Impuls neue Musik gegründet wurde. Auch dieses Jahr gibt es allerhand Lohnenswertes zu entdecken: Besonders interessant finde ich die als Ausstellung konzipierte Reihe »Tele-Visions« im silent green. Zu sehen sind Dokumentationen, Berichte, Porträts aus über 20 Fernseharchiven aus den Jahren 1950-90. Wie man damals über gegenwärtige Musik im Massenmedium Fernsehen berichtete, ist gerade heute, da die zeitgenössische Musik selbst in den Dritten Programmen kaum mehr stattfindet, sehr aufschlussreich. Ein Höhepunkt des Festivals ist meines Erachtens die Wiederaufführung von »Persepolis«, Iannis Xenakis’ legendärer Tonband-Komposition, die 1971 auf dem Shiraz-Festival ihre Premiere hatte. Ich frage mich, wie diese für die Ruinen von Persepolis geschriebene vielkanalige Raumkomposition an einem völlig neuen Ort in einer gänzlich anderen Zeit wirkt – und ob ihre damals radikale Modernität inzwischen Patina angesetzt hat. Im Abschlusskonzert der MaerzMusik »Clocks without hands« gibt es die Uraufführung eines Werks für Orchester der litauischen Komponistin Justė Janulytė zu erleben. Neben allem Interesse an diskursiven und performativen Formaten freue ich mich über ein rein musikalisches Programm, das ebenso seinen Raum in den Festivals haben muss.

Einen Tag vor der MaerzMusik erlebt das in München uraufgeführte Werk »My Melodies, Musik für acht Hörner und Orchester« von Helmut Lachenmann – der im Übrigen im Ehrenkomitee von Impuls neue Musik ist – seine Berlin-Premiere. Ich bin sehr gespannt, was Lachenmann, der gern als Geräuschkomponist gesehen wird, aus dieser Besetzung und dem Thema »My melodies« macht. Nahrung für die Ohren und ein Vergnügen für die Sinne wird es allemal, da bin ich sicher.

Am 27. April gehe ich in die Villa Elisabeth zum letzten Teil der Reihe »Ränder – Randerscheinungen im Fokus« des Sonar Quartetts, deren Arbeit ich seit langem schätze.

Inspirierende Musikerlebnisse wünscht

Sophie Aumüller

Sophie Aumüller leitet den Deutsch-Französisch-Schweizerischen Fonds für zeitgenössische Musik / Impuls neue Musik. In ihrer Reihe Hören wir mit anderen Ohren? im Institut Français Berlin untersuchte sie die ästhetischen und kulturellen Unterschiede und unsichtbaren Grenzen zwischen den Musikszenen Frankreichs und Deutschlands. Eine Recherche, die noch lange nicht abgeschlossen ist ...